„Globalisierung macht Spaß"

Münchnerin ist für BMW in Mexiko im Einsatz – und hilft beim Aufbau eines neuen Werks

Andere Länder, andere Sitten: Diese Erfahrung macht derzeit Esther Londrigo. Die BMW-Mitarbeiterin ist für BMW in Mexiko schon in ihrem vierten längeren Auslandsaufenthalt – und erlebt immer noch überraschende Dinge.

Esther Londrigo mit mexikanischen Kollegen: Sie organisiert deren Weiterbildung. Foto: BMW

Esther Londrigo mit mexikanischen Kollegen: Sie organisiert deren Weiterbildung. Foto: BMW

Das neue Werk von BMW in Mexiko (Computersimulation): Hier arbeitet Esther Londrigo aus München. Foto: BMW

Das neue Werk von BMW in Mexiko (Computersimulation): Hier arbeitet Esther Londrigo aus München. Foto: BMW

München/San Luis Potosi. Im Supermarkt kauft man Tomaten, Milch, Schokolade. Aber die Wasser- und Stromrechnung bezahlen? „Hier läuft das tatsächlich so – und das herauszufinden, war gar nicht so einfach“, erzählt Esther Londrigo (61) aus München, BMW-Mitarbeiterin und seit Juni im Auslandseinsatz in Mexiko.

Dort geht das nämlich ganz einfach an der Supermarktkasse, an der die Leute die Rechnung ihres Strom- und Wasserversorgers bezahlen können. Andere Länder, andere Sitten: „Diese intensiv kennenzulernen, macht den Reiz aus, im Ausland zu arbeiten.“

BMW errichtet in San Luis Potosi, 400 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt, für rund 1 Milliarde Euro ein neues Werk. Esther Londrigo wird dabei zwei Jahre lang helfen und sich um Personalangelegenheiten kümmern. Es ist bereits ihr vierter längerer Auslandseinsatz. Zuvor war sie für BMW schon in China, Brasilien und Panama, jeweils zwei oder drei Jahre.

Die Globalisierung verändert nicht nur Wertschöpfungsketten von Unternehmen. Sie schafft auch für Mitarbeiter ganz neue Möglichkeiten in ihrem Leben, Raum für neue Erfahrungen – und das nicht nur beim Autobauer BMW.

Immerhin 57 Prozent aller größeren Metall- und Elektro-Firmen in Bayern (ab 250 Mitarbeiter) haben schon mindestens einen Produktionsstandort im Ausland. Zum Aufbau oder zur Betreuung dieser Werke kommen viele bayerische Mitarbeiter ordentlich herum in der Welt. Und erleben so oft die besten Jahre ihres Lebens.

Der Einsatz in der Ferne ist herausfordernd – und bereichernd. Natürlich ist das ungewöhnliche Bezahlen der Stromrechnung nur ein Beispiel für das, was Esther Londrigo alles in Mexiko erlebt. Sie empfindet es als spannend und aufregend, mit einer fremden Kultur in Kontakt zu kommen. „Globalisierung“, sagt sie, „macht mir so riesig Spaß.“

Kontakt mit einer fremden Kultur

Nach San Luis Potosi ist die BMW-Frau mit Mann und Tochter gezogen. Im Werk ist sie verantwortlich für die Weiterbildung. Zum Produktionsstart 2019 soll es dort 1.500 Mitarbeiter geben. Ein Drittel ist bereits eingestellt, wird nun fachlich geschult und mit der BMW-Firmenphilosophie sowie internen Abläufen vertraut gemacht.

Dabei gilt es unter anderem, mexikanische Spontanität und deutsche Planungsliebe miteinander in Einklang zu bringen. Etwa durch klare, auch zeitliche Zielvorgaben. Grundverschieden sei auch der menschliche Umgang miteinander, schildert Londrigo. „Wir Deutschen sind sehr direkt, auf die Arbeit fokussiert und transparent. Mexikaner sind vorsichtiger, möchten gern erst mal was Persönliches bereden und nicht gleich Lösungen für Probleme suchen.“

Im Kontakt mit Kollegen aus anderen Kulturen hat Londrigo im Ausland viel gelernt. Dazu gehört, nicht alles gleich persönlich zu nehmen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Gruppe von Chinesen, die vor einigen Jahren sichtlich unzufrieden den Layoutplan ihrer neuen Büroarbeitsplätze anschauten. Londrigo und ihre deutschen Kollegen waren irritiert. Am Ende stellte sich heraus, dass die Deutschen einige Stühle mit dem Rücken zum Fenster vorgesehen hatten – entgegen den Prinzipien der fernöstlichen Harmonielehre Feng-Shui. „Das ging gar nicht“, erklärt Londrigo.

Das Leben wäre anders verlaufen …

Und die größte Bereicherung brachte vor 16 Jahren der Auslandsaufenthalt in Panama. Dort adoptierten Londrigo und ihr Mann ein neun Monate altes Mädchen. „Wir waren ungewollt kinderlos und hatten das Thema Nachwuchs schon aufgegeben.“

Anders als in Deutschland nämlich kann man in Panama auch noch mit Mitte 40 ein Kind adoptieren. „Ohne unsere Heimat zu verlassen, wären wir nie auf diese Idee gekommen“, erzählt Londrigo. „Unser Leben wäre ganz anders verlaufen – und nicht so erfüllend.“


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Nach dem BWL-Studium stieg ich bei BMW in der Logistik ein. Als Seminarleiterin entdeckte ich, dass mir das Training von Mitarbeitern sehr am Herzen liegt.

Was reizt Sie am meisten?

Menschen Impulse geben – als Starthilfe zur Selbsthilfe. Und dann erleben, wie sie über selbst gesetzte Grenzen hinauswachsen.

Worauf kommt es an?

Offen für Herausforderungen sein und Dinge annehmen, wie sie sind. Menschen verhalten sich oft ganz anders, als man denkt.

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