Herr der Dosen

Müller & Bauer verpackt so gut wie alles in umweltfreundliches Material

Metzingen. Nüsse, Bier, Gulaschsuppe, Schafskäse – fast alles, was man für eine spontane Party braucht, gibt’s aus der Dose. Das Beste daran: Diese praktische Verpackung schont auch noch die Umwelt.

„In Deutschland werden über 90 Prozent der Weißblech- und Alu-Dosen recycelt“, so Richard Hönes, Geschäftsführer beim Unternehmen Müller & Bauer. Das Geheimnis der Dose: Sie ist beliebig oft und ohne Abstriche an Qualität wiederverwendbar. Aus dem gelben Sack wandert die Verpackung in die Hochöfen der Walzwerke und kommt dann in großen Blöcken, die ein bis zwei Tonnen wiegen, zurück zu Müller & Bauer.

CO2 von 15.000 Pkws wird eingespart

„Bei der Gründung des Unternehmens 1899 hat das noch keiner geahnt, heute ist es für uns ein Erfolgsrezept“, sagt Geschäftsführer Hönes. Denn die Verwendung von Stahlschrott senkt nicht nur die Herstellungskosten. Auch der CO2-Ausstoß wird gegenüber der Fertigung aus neuem Rohstoff reduziert. Damit wird jedes Jahr in Europa so viel CO2 eingespart wie zwei Millionen Pkws mit einer Laufleistung von je 15.000 Kilometern in die Luft blasen.

Außerdem sind die Dosen hübsch anzusehen, sie sind leicht und dicht und als Behälter für fast alles geeignet, vom Pinselreiniger bis zur Anti-Aging-Hautcreme. Die Blech- oder Aluminiumplatten werden zuerst mit einer Grundfarbe oder transparent lackiert und danach farbig bedruckt, je nach Inhalt.

Gedruckt wird im Prinzip wie auf Papier: mit verschiedenen Farben auf jeweils einer Druckplatte. „Im Unterschied zu Papierdruckmaschinen müssen unsere hier jedoch mehr Kraft aufbringen, weil das Material dicker und härter ist“, erklärt Hönes.

Nach dem Bedrucken wird das Material gestanzt, geschweißt und gefalzt. Es entstehen viele verschiedene Dosen. Darunter die kleinste Dose der Welt, in die gerade mal 14 Milliliter Lackfarbe für Modellbauer passen.

Abnehmer von Müller & Bauer sind die Chemiebranche, Nahrungsmittel- oder Kosmetikproduzenten. Zu den Klassikern des Herstellers aus dem schwäbischen Metzingen gehören die flache Dose für die „Kaufmanns Haut- und Kindercreme“ oder die hohe für die Boxer-Shorts von Hugo Boss.

Von den rund 15 Millionen Euro Umsatz jährlich werden etwa 20 Prozent im Export erwirtschaftet. Größter Abnehmer im Ausland ist ein ägyptischer Hersteller einer Glycerin-Creme mit dem Namen „Glysolid“.

Hönes ist sich sicher, dass dem Mittelständler mit rund 80 Beschäftigten die Arbeit nicht ausgehen wird. Auch nach dem Eigentümerwechsel 2008: Die Nachkommen der Gründerfamilie Bauer verkauften die Firma an G. Stähle in Stuttgart, einem Hersteller von Sprühdosen. Eine gute Entscheidung, meint Hönes: „Die sind wie wir ein Familienunternehmen. Das war uns wichtig.“


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