In die Ferne schweifen

Monteure beim Anlagenbauer Bausch+Ströbel sind in vielen Ländern der Welt unterwegs

Ilshofen. USA, Irland oder Kuba: Klaus Schlipf (39) ist bis zu 70 Tage im Jahr unterwegs und hat schon mehr als zwei Dutzend Länder besucht. Zusammengerechnet kommt er auf rund 1.000 Tage, die er außerhalb Deutschlands im Einsatz war. Um das zu erleben, musste man früher Seemann werden, heute ist es Alltag für die Monteure bei exportstarken Maschinenbauern wie Bausch + Ströbel.

Die 1.100 Mitarbeiter des Unternehmens in Ilshofen stellen Anlagen für die Pharma-Industrie her. Mit diesen Maschinen werden flüssige oder pulverförmige Medikamente in Ampullen oder Spritzen abgefüllt.

Jedes dieser technischen Wunderwerke ist ein Original: Sie werden speziell für die Bedürfnisse des Kunden gebaut und können leicht mehrere Millionen Euro kosten. Bausch + Ströbel fertigt pro Jahr 100 bis 120 Stück, ins Ausland gehen 90 Prozent davon. Und die Monteure gehen mit. Schlipf zeigt stolz auf „sein Baby“, die Maschine, die er gerade zusammenbaut, ein Projekt von mehreren Monaten. Sie füllt und verschließt pro Stunde 18.000 Glasfläschchen. „Wenn sie fertig ist, kommt sie zu einem Kunden in den USA.“

Schlipf freut sich schon auf die Reise, auch nach fast 20 Jahren findet er seinen Job noch spannend. „Jede Maschine und jeder Kunde tickt anders“, sagt er. Deshalb werden die Monteure individuell vorbereitet. „Eine gemeinsame Schulung für alle bringt da wenig“, erläutert Tanja Bullinger. Sie ist Mitgesellschafterin des Familienunternehmens und leitet die Öffentlichkeitsarbeit.

Formalitäten sind häufig kompliziert

Die Serviceabteilung im Haus stimmt die Termine mit den Kunden ab, plant das Personal ein und bereitet die Formalitäten vor. „Die Anforderungen in den einzelnen Ländern sind sehr unterschiedlich“, erklärt Servicemitarbeiter Ulrich Thier. Kompliziert wird es etwa in der Schweiz: „Für jeden Kanton braucht man eine eigene Arbeitsgenehmigung.“ Außerdem prüfen die Eidgenossen den Stundenlohn des Monteurs. Falls dieser unter dem Schweizer Tarif liegt, muss die Firma das ausgleichen.

Von jeder Reise nimmt man Persönliches mit

Ist Schlipf schließlich vor Ort, fangen die Herausforderungen erst richtig an: „Der Druck ist sehr groß, wenn man allein beim Kunden ist“, sagt er. Etwa wenn eine Maschine nicht richtig läuft und ein teures Medikament abgefüllt werden muss, das nur zwei Tage haltbar ist.

Improvisationstalent ist vor allem in den ärmeren Ländern gefragt, in Indien, Pakistan oder Kuba: „Das fängt schon beim Abladen der Maschine an, wenn es keinen Gabelstapler gibt.“

Bewältigen kann er die vielen kniffligen Situationen, weil er gut ausgebildet ist, so ist Schlipf überzeugt. Seine Lehre zum Indus­triemechaniker begann er 1990 bei Bausch + Ströbel: „Alles, was ich in der Ausbildung gelernt habe, kann ich bis heute gut brauchen.“

Von seinen ein- bis zweiwöchigen Einsätzen kehrt er mit vielen Eindrücken zurück, und das sind nicht nur berufliche: „In vielen Ländern werde ich sehr gastfreundlich empfangen. Von jeder Reise nimmt man auch etwas Persönliches mit.“


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