Menschen

Mobil trotz Handicap


Helmut Krüger ist seit 34 Jahren bei Fendt Caravan

Mertingen. Beide gehören zusammen: Helmut Krüger (55) und sein Firmen-Radl. Ohne den fahrbaren Untersatz ist der gehbehinderte Mitarbeiter des Wohnwagen-Herstellers Fendt-Caravan in Mertingen unweit von Augsburg nur selten zu sehen.

Den weiten Weg von der Stechuhr zu seinem Arbeitsplatz in der Vormontage von Kabeln legt er entlang der Fertigungsstraße radelnd zurück.

„Meine Arbeit hier macht mir Spaß“, erzählt Krüger. Er ist dafür zuständig, die 220-Volt-Kabel vorzubereiten, die später in die Wohnwagen eingebaut werden und dort etwa den Kühlschrank mit Strom versorgen.

Eigentlich sei es gar nicht so kompliziert, ihm das Arbeiten möglich zu machen, erklärt er. Notwendig seien nur kleine Hilfen wie ein höhenverstellbarer Stuhl, damit das Aufstehen leichter fällt.

Einen Mitleidsbonus bekommt Krüger wegen seiner Behinderung nicht. Will er auch gar nicht. „Ich muss die gleiche Leistung bringen wie meine Kollegen“, sagt er selbstbewusst. Nur zu Überstunden ist er nicht verpflichtet.

Als Dreijähriger erkrankte Krüger an Kinderlähmung. Die Folge: An seiner gesamten rechten Körperseite sind die Muskeln kaum ausgebildet.

Seitdem ist der kleine, lebhafte Mann schwerbehindert. Doch davon hat sich der zweifache Vater nicht entmutigen lassen. Schon seit 34 Jahren arbeitet er für das Unternehmen.

Beschäftigt in einem Vorzeige-Unternehmen

Und er hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Seinen Rollstuhl daheim nennt er „Krankenkassen-Ferrari“. Trübsal blasen – das gibt es für ihn nicht.

Mit 43 behinderten Kollegen arbeitet Krüger für ein VorzeigeUnternehmen. Fendt-Caravan ist einer der größten WohnwagenHersteller in Europa. Und die Firma erhielt Ende 2009 den Preis „JobErfolg – Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz“, der von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft unterstützt wird.

Von den 498 Beschäftigten haben 8,8 Prozent eine Behinderung. Die Quote des schwäbischen Unternehmens liegt damit deutlich über den gesetzlich geforderten 5 Prozent.

Geschäftsführer Klaus Förtsch beruft sich auf eine Tradition: „Viele unserer behinderten Mitarbeiter sind schon lange bei uns und wie Herr Krüger motivierte Kollegen, die ihren Arbeitsplatz schätzen.“

Miriam Zerbel

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Gelernt habe ich Feinmechaniker, aber da gab es keine Arbeitsplätze in Wohnortnähe. Wegen meiner Behinderung brauche ich zudem eine Tätigkeit, die es mir ermöglicht, viel zu sitzen und wenig zu laufen.

Was reizt Sie am meisten?

Ich bin mein eigener Herr in meinem Arbeitsbereich und brauche niemanden zu fragen. In der Elektro-Vormontage hatte ich anfangs einen Chef, der selber behindert war. Der wusste genau, was er mir zumuten konnte und was nicht.

Worauf kommt es an?

Die Qualität muss stimmen. Dafür überwache ich aufmerksam die Maschinen. Man muss schon bei der Sache sein.

 

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