Integration

Mitten im Leben


Menschen mit Behinderung: Drei Erfolgsgeschichten aus hessischen Betrieben

Frankfurt. Gallas Akin ist endlich angekommen. Jetzt kann er das machen, was er schon immer wollte – in der Küche arbeiten. Seit dem 1. März lernt er im Landhaus Klosterwald in Lich-Arnsburg den Beruf des Beikochs. Der 24-Jährige ist gehörlos und lernbehindert, kann sich nur über Gebärdensprache verständigen. Da war es nicht leicht, eine Lehrstelle zu finden.

Klosterwald-Chef Markus Müller gab ihm nach einem Praktikum den ersehnten Ausbildungsplatz. „Ein Mensch fühlt sich wohl, wenn er angenommen wird, so wie er ist. Dann kann er auch gute Leistung erbringen“, so Müller.

Die Idee kam vom Betriebsrat

Das Tagungshotel zeichnet sich seit Jahren durch eine enge Kooperation mit einer Werkstatt für Behinderte aus und bietet Schwerbehinderten auch Praktikumsplätze an.

So viel Engagement wurde nun vom hessischen Sozialministerium mit dem Landespreis für Integration belohnt. Die Auszeichnung wurde bereits zum sechsten Mal vergeben – an Unternehmen der Privatwirtschaft, die Vorbildliches bei der Einstellung von Schwerbehinderten leisten.

 

„Es muss zur Visitenkarte von Unternehmen gehören, Menschen mit Behinderungen bewusst zu beschäftigen. Oft sind sie unerkannte Leistungsträger der Gesellschaft“, so Sozialminister Stefan Grüttner.

Weitere Preisträger der mit je 3.000 Euro dotierten Ehrung sind die Firma Josef Anton Natursteine in Freigericht und die Mercedes-Benz-Niederlassung Kassel/Göttingen in Kassel. Die Niederlassung der Daimler AG hat 30 schwerbehinderte Mitarbeiter.

Auf Initiative des Betriebsrats wurden zwei Ausbildungsplätze speziell für hörbehinderte Azubis geschaffen. Bei den Schulungen ist ein Gebärdendolmetscher dabei.

Einige der Maschinen im Betrieb wurden extra mit optischen Signalen ausgestattet, sodass David Wahlich und Markus Bialecki dort nun Mechatroniker lernen können. „Mein Traumberuf“, gibt Bialecki zu verstehen, der sich schon als Kind leidenschaftlich gerne mit Autos beschäftigte.

Aussicht auf feste Stelle

Vor dem Vertrag mussten beide zunächst ein Praktikum absolvieren. Wahlich weiß aus Erfahrung: „Die Chefs müssen erst ihre Scheu überwinden und ein Gefühl für uns bekommen. Wenn sie sehen, was wir können, klappt es auch mit dem Ausbildungsplatz.“

Der Schwerbehinderte Jan Kappauf überzeugte seinen heutigen Chef Josef Anton ebenfalls durch ein Praktikum. Wo immer er sich bewarb, bekam er Absagen, ließ sich aber dennoch nie entmutigen. „Aufgeben kommt für mich nicht infrage“, sagt der 18-Jährige.

Sein Ehrgeiz und Durchhaltevermögen beeindruckten schließlich Josef Anton. In seinem Steinmetzbetrieb mit fünf Angestellten schaffte er einen komplett neuen Arbeitsplatz. So bekam Jan eine Ausbildung zum Bürokaufmann – mit der Aussicht auf Übernahme. „Ich habe einfach Vertrauen in ihn“, so Anton.

In Hessen haben heute mehr als 95.000 schwerbehinderte Menschen einen Arbeitsplatz. „Die hessischen Unternehmen wissen aus wohlverstandenem Eigeninteresse, dass schwerbehinderte Menschen – an der richtigen Stelle eingesetzt – wertvolle und motivierte Mitarbeiter sein können“, erklärt Professor Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

 

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