Menschen

Mittelsmann


Mit Optimismus: Als Vermittler zwischen Management und Belegschaft fühlt sich Karl Schreiber (Mitte) zuallererst für die Zufriedenheit der Mitarbeiter zuständig. Foto: Karmann

Karl Schreiber: Ein Meister mit Herz und Sachverstand

Aura. Die wirtschaftlichen Aussichten mögen schwierig zu kalkulieren sein – Karl Schreiber ist es nicht. Er steht für Verlässlichkeit, will Ansprechpartner für seine 25 Mitarbeiter sein, fachlich und menschlich. „Ich habe schon so manche Lebenskrise mitgekriegt. Da kann der Arbeitsplatz Stütze und Bestätigung sein.“

Der 44-Jährige ist Industriemeister von UTI-SFM Feinmechanik im unterfränkischen Ort Aura mit 1.050 Einwohnern. Unter der Marke „accellent“ produzieren 110 Beschäftigte der deutschen Tochtergesellschaft eines amerikanischen Konzerns Medizintechnik-Komponenten.

„Den Druck von meinen Leuten fernhalten“

Auch wenn die Anforderungen an den Zulieferer stetig steigen, sagt Schreiber: „Ich muss versuchen, den Druck von meinen Leuten fernzuhalten.“ Einen Kuschelkurs fährt er aber nicht: „Ich bin Produktionsmann. Wir müssen hohe Qualität zu fixen Terminen liefern – da gibt’s kein Pardon.“

Doch er versteht sich als Vermittler zwischen den Vorgaben des Managements und dem, was die Mitarbeiter leisten können.

Die Unterfranken sind Alleinlieferant unter anderem für ein spezielles Zerstäuber-Röhrchen eines Asthma-Sprays. 14 Millionen Stück hat UTI davon 2009 an einen deutschen Arzneimittel-Hersteller geliefert.

Weil sich aber schon Ende 2008 Produktionsrückgänge ankündigten, die schließlich 30 Prozent minus erreichten, mussten Geschäftsführer Bruno Wiesner und Karl Schreiber mit seinen zwei Meisterkollegen aus der Produktion Kurzarbeit ankündigen. Nachdem die letzten Aufträge abgearbeitet waren, kam sie im April 2009 für 24 Monate.

Das ist bis heute so, auch wenn sich das Geschäft kurzfristig monateweise belebt: „Ich kommuniziere offen, dass das nur Zwischenhochs sein können. Auch wenn es wehtut“, sagt Schreiber. „Nur so bleibt man glaubwürdig.“

Anders als vor 21 Jahren, damals fing er als Meister an, sei Mitarbeiterführung inzwischen seine Hauptaufgabe. Früher habe er gezeigt, wie eine Maschine bedient wird. Heute bespricht er Monatsziele mit seinem Team oder sucht die Gründe für eine Reklamation.

„Zuallererst aber bin ich für die Zufriedenheit meiner Mitarbeiter zuständig“, sagt er in bestimmtem Ton. „Dann passt auch unsere Leistung – was wiederum den Standort sichert.“

„Mit jedem im Gespräch bleiben“

In Fortbildungen zu Motivationsstrategien, Controlling, Verfahrenstechnik und Zertifizierungen habe er viel gelernt, sagt der in der Region verwurzelte Maschinenschlosser. „Aber mit möglichst jedem meiner Leute im Gespräch zu bleiben, das ist entscheidend. Dann kommen sie auch, wenn’s mal nicht läuft.“

Schreiber, verheirateter Vater eines elfjährigen Jungen, setzt auch im Betrieb auf „familiären Zusammenhalt“. Als Meister war er schon in drei Firmen tätig. „Privates und Berufliches beeinflussen sich immer wechselseitig.“ Ebenso wie Vorgesetzte und Belegschaft: „Ist ein Mitarbeiter gut drauf, darf er auch mal einen grantigen Meister aufheitern“, findet Schreiber und grinst.

Er will Optimismus ausstrahlen: „Es wird viel zu wenig gelobt.“ Sagt er und nickt einem vorbeigehenden Mitarbeiter freundlich zu.

Eva Schröder

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe mich schon als Kind gern mit Schrauben und Maschinen auf dem Hof meiner Eltern beschäftigt. Da war die Lehre als Maschinenschlosser schnell klar. Und mein Ausbildungsbetrieb war klasse.

Was gefällt Ihnen besonders?

Der Umgang mit den Menschen. Die häufig wechselnden Aufgaben, die sich auch spontan verändern. Und auf Mitarbeiter einzuwirken, ist genauso spannend wie Produkte mitzugestalten.

Worauf kommt es an?

Anderen ein Vorbild zu sein, viel zu erklären, aber auch ansprechbar zu sein. Und entscheidungsfreudig sowie konsequent zu handeln.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang