Interview

„Mitarbeiter sollten vielseitig einsetzbar sein“


Ausgesprochen vielseitig: Ein Schweizer Taschenmesser kann verschiedene Aufgaben erledigen. Foto: dpa

Von Weiterbildung bis Zeitarbeit: Was Flexibilisierung bedeutet

Flexibel sein: Warum ist das so wichtig – und wie setzen Betriebe das um? Wir fragten einen, der ganz nah am Thema dran ist: Professor Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf.

AKTIV: Flexibilität – ist das nur so ein Schlagwort aus der Manager-Sprache, oder müssen wir wirklich so viel flexibler sein als frühere Generationen?

Stowasser: Wir müssen. Jedem Mitarbeiter in unserem Hochlohnland sollte klar sein: Wir müssen effizient arbeiten, die Mitarbeiter-Produktivität hoch halten. Wenn also die Konjunkturzyklen kürzer und die Ausschläge größer werden, sind die Firmen darauf angewiesen, sich entsprechend flexibler aufzustellen. Viele haben das auch schon getan.

AKTIV: An welchen Stellschrauben kann man da drehen?

Stowasser: Davon gibt es natürlich eine ganze Reihe. Mehr Flexibilität kann man beispielsweise durch Qualifizierung erreichen, damit Mitarbeiter an verschiedenen Stellen oder auch in mehreren Abteilungen gute Arbeit leisten können. Sie sollten vielseitig einsetzbar sein. Dass Herr Müller montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr immer nur die gleiche Maschine bedient, wird es nicht mehr lange geben.

AKTIV: Aber was hat Herr Müller davon?

Stowasser: Er sichert seinen Job – und verdient auf Dauer vielleicht mehr. Weiterbildung ist immer gut. Für die meisten ist Abwechslung ja willkommen. So eine „job rotation“ bedeutet auch: weniger Monotonie. Und sie bringt oft einen Wechsel der körperlichen Belastung.

AKTIV: Was empfehlen Sie außerdem?

Stowasser: Kleinere Montage-Einheiten, versetzbare Standard-Maschinen. Kürzlich war ich in einem Betrieb, da können Stationen in zwei Stunden umgestaltet werden.

AKTIV: Das braucht aber nicht jede Firma, oder?

Stowasser: Es gibt da keine Musterlösung, jedes Unternehmen muss für sich das richtige Maß an Flexibilität finden. Denn das hängt von Art und Umfang der Schwankungen ab: Um wie viel Prozent geht es rauf oder runter? Wie vorhersehbar ist das? Und: Kann ich meinen Prozess unterbrechen? Um mal ein extremes Beispiel zu bringen...

AKTIV: ...gerne...

Stowasser: ...bei Toyota werden sechs ganz verschiedene Modelle auf einer Linie gefertigt. Die Leute – und die Logistik! – sind da so flexibel.

AKTIV: Welche Rolle spielt denn die oft beschimpfte Zeitarbeit?

Stowasser: Sie gehört heute zu den Stellschrauben dazu, einen Anteil von 5 bis 10 Prozent an der Belegschaft würde ich als normal bezeichnen. Oberste Maxime ist: Der Laden muss laufen – und dafür muss die Firma schnell ein- und ausatmen können.

AKTIV: Sind wir in Sachen Arbeitszeit schon flexibel genug?

Stowasser: Da stehen wir in Deutschland schon sehr gut da. Das hat auch die letzte Krise gezeigt – das Zeitkonto war die erste Stufe der Krisenreaktion. Es gibt sogar schon flexible Schichtmodelle, bei denen der Arbeitsantritt um ein oder zwei Stunden variieren kann. Solche Flexibilität wird ja vor allem von den Mitarbeitern gewünscht.

AKTIV: Was heißt eigentlich „Betriebszeit-Flexibilisierung“?

Stowasser: Dass der gesamte Betrieb hoch- oder runtergefahren werden kann, dass also notfalls auch mal das Wochenende durchgearbeitet wird. Oder dass die wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiter auch abgesenkt werden kann. Aber so etwas ist gar nicht überall nötig.

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