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Im Team stärker

Mitarbeiter mit unterschiedlichen Hintergründen passen oft bestens zusammen

Wenn man alleine nicht weiterkommt, hilft einem meist ein Kollege. Neue Ideen haben vor allem diejenigen, die anders an Probleme herangehen – etwa weil sie jünger sind oder etwas anderes gelernt haben.

Gemeinsam unterwegs: Zweiterteams bringen oft beiden Seiten Vorteile. Foto: Adpbe Stock

Gemeinsam unterwegs: Zweiterteams bringen oft beiden Seiten Vorteile. Foto: Adpbe Stock

Gewissenhaft: Jasmin Kerscher und Alois Wittenzellner im Reinraum. Foto: Weigel

Gewissenhaft: Jasmin Kerscher und Alois Wittenzellner im Reinraum. Foto: Weigel

Eingespielt: Adrian Stoinea und Manuela Birkel prüfen Teile. Foto: Karmann

Eingespielt: Adrian Stoinea und Manuela Birkel prüfen Teile. Foto: Karmann

Kreativ: Frederick Lange und sein Kollege Ingo Jacob. Foto: Weigel

Kreativ: Frederick Lange und sein Kollege Ingo Jacob. Foto: Weigel

München. Wohl jeder kennt das: Manchmal kommt man einfach nicht weiter – zum Beispiel mit einer anspruchsvollen Aufgabe im Job. Raucht schon der Kopf, kann es helfen, sich schnell mal mit einem Kollegen zu besprechen. Der guckt auf das Problem oft aus einem ganz anderen Blickwinkel. Und plötzlich macht es „klick“ – die Kollegen finden gemeinsam eine Lösung.

Zusammen geht vieles besser, das stellen auch Beschäftigte in Unternehmen immer wieder fest. Da diskutiert etwa der erfahrene Maschineneinrichter mit dem jungen Fertigungsplaner, wie man Werkzeuge in der Produktion verbessern könnte – sodass es am Ende noch besser flutscht. Oder der Entwickler erfährt von seiner Kollegin in der Kon­struktion, ob die Monteure seine kühnen Ideen überhaupt umsetzen könnten – sie rechnet dafür schnell mal wichtige Punkte durch.

So ein Austausch im Tandem funktioniert besonders gut, wenn beide Seiten eine etwas andere Sichtweise mitbringen. Etwa, weil sie ganz verschiedenen Altersgruppe angehören, unterschiedliche fachliche Kenntnisse mitbringen oder einen anderen kulturellen Hintergrund haben.

AKTIV hat sich in Betrieben der bayerischen Metall- und Elektroindustrie umgesehen und viele gute Beispiele für erfolgreiche heterogene Teams entdeckt. Drei davon stellen wir auf diesen Seiten vor.

Alt und Jung lernen voneinander

Teisnach. In guten Teams ziehen oft verschiede Generationen an einem Strang. Das gilt zum Beispiel für Alois Wittenzellner (52) und Jasmin Kerscher (21) im Teisnacher Werk des Kommunikationstechnikherstellers Rohde & Schwarz. Am Standort im Bayerischen Wald arbeiten der Fachmann für Mikromontage und die Elektronikerin für Geräte und Systeme zusammen.

In der Mikromontage fertigt das Tandem im Reinraum eine komplexe Baugruppe namens „fünfstufige Eichleitung“, die in Netzwerk-Analysatoren verwendet wird. Solche Spezialmessgeräte kommen in der Kommunikations- und Elektronikgüter-Industrie zum Einsatz, beim Design von digitalen Highspeed-Leiterplatten sowie in der Luft- und Raumfahrt. Aufgabe der beiden Mitarbeiter ist es, unter dem Mikroskop zu kleben und zu löten – im Tausendstel-Millimeter-Bereich!

Der erfahrene Kollege führt die Jüngere an komplexe Aufgaben heran

Junge Mitarbeiter benötigen häufig erfahrene Kollegen, um an ihnen zu wachsen – so auch Kerscher: „Alois ist der erfahrene Spezialist, er hat immer Zeit für meine Anliegen, und er führt mich auch an komplexe Aufgaben heran“, erzählt sie. „Mir imponiert sein großes Fachwissen.“

Im Gegenzug bringt die junge Frau das Team mit frischen Ideen weiter. Zudem bereichert sie es mit jugendlichem Esprit und Lockerheit: „Die Zusammenarbeit mit ihr hält mich auch ein Stück weit jung“, findet Wittenzellner.

Mann und Frau ergänzen sich prima

Georgensgmünd. Seit zwei Jahren arbeiten sie Tag für Tag Seite an Seite: Manuela Birkel (43) und Adrian Stoinea (26). Die beiden prüfen beim Unternehmen Toolcraft in Georgensgmünd bei Nürnberg Triebwerksteile für die Luftfahrt auf Produktionsmängel.

Dabei gilt höchste Sorgfalt. „Schließlich geht es da letztlich um Menschenleben“, erklärt Birkel. Damit nichts übersehen wird, arbeitet das Team von Mann und Frau nach dem Vier-Augen-Prinzip. Fällt dabei einem etwas auf, wird es noch einmal von beiden intensiv begutachtet. Stoinea, der sich besser mit den Zeichnungen der Triebwerksteile auskennt, beurteilt dann abschließend, ob etwas nachbearbeitet werden müsste. Birkel, die Erfahrung aus der Fertigung mitbringt, entscheidet danach, ob das überhaupt noch Sinn macht – oder ob das Teil gleich zum Ausschuss wandert.

Er strahlt Ruhe aus, sie ist kommunikativ

Birkel und Stoinea, der vor zwei Jahren aus Rumänien nach Deutschland kam, haben fast zeitgleich auf ihrer heutigen Stelle begonnen – und ergänzen sich dort auch menschlich prima. „Adrian strahlt immer eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus“, erzählt seine Kollegin. Das habe ihr auf der neuen Position gerade zu Beginn sehr geholfen, da sei sie doch ziemlich nervös gewesen.

Stoinea hingegen schätzt die kommunikative und emotionale Art seiner Kollegin. Sie habe es ihm einfacher gemacht, in Deutschland anzukommen. „Mit Manuela“, sagt er, „kann ich auch über persönliche Probleme reden.“

Informatiker trifft auf Mechaniker

Regensburg. Ein promovierter Wirtschaftsinformatiker und ein gelernter Hubschraubermechaniker im gleichen Team? Geht! Sehr gut sogar.

Frederick Lange (32) und Ingo Jacob (56) arbeiten bei der Regensburger Maschinenfabrik Reinhausen in einer kleinen Abteilung, die die Arbeitsprozesse des Unternehmens in IT-Systemen abbildet. Aktuell kümmern sich die beiden um Materialflüsse in der Logistik einer Tochtergesellschaft.

Das Zusammenspiel zwischen dem jüngeren Mitarbeiter mit profunden IT-Kenntnissen und dem älteren Praktiker mit Produktionserfahrung funktioniert: „Die ungleiche Aufstellung bringt uns massive Vorteile bei unserer Arbeit“, sagt Jacob.

IT-Nerds allein bringen die Abteilung nicht weiter

Zu der Abteilung, die sich vorrangig mit IT-Fragen beschäftigt, gehören neben den beiden auch noch ein Informatiker, ein Maschinenbauer, ein Physiker und ein Betriebswirt. „Von uns wird erwartet, dass wir auch aus betriebswirtschaftlichem Blickwinkel Lösungen erarbeiten – also die Kosten verringern oder neue Potenziale heben“, sagt Wirtschaftsinformatiker Lange. „Ein IT-Nerd, der den ganzen Tag allein programmiert, bringt uns hier nicht weiter.“

Je nach Projekt, Projektphase und Herangehensweise sind unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten gefragt. In einer Person sind diese Anforderungen kaum zu vereinen. „Deshalb ist unser Team so unterschiedlich aufgebaut“, erklärt Jacob.

Ein weiterer großer Vorteil der heterogenen Truppe: „Da wir viele unterschiedliche Sichtweisen mitbringen, können wir Themen auch mal ganz anders angehen.“


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Wenn Firmen auf bunt gemischte Teams setzen, tun sie das meist nicht nur um der Chancengleichheit willen: Studien belegen, dass solche Teams erfolgreicher sind. Hier ein paar interessante Projekte aus dem Südwesten.

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