Brandschutz

Mit „weißem Nebel“ gegen Feuer


Löschen, bevor es richtig brennt: Dafür entwickelt Dynamit Nobel Defence raffinierte Systeme

Burbach. Flammen züngeln im Schaltschrank empor, lecken gierig nach Nahrung. Zum Glück nur im Versuchslabor des Wehrtechnik-Spezialisten Dynamit Nobel Defence im nordrhein-westfälischen Burbach-Würgendorf.

Kaum sieht man den Feuerschein, da steigt weißer Nebel vom Boden auf. Es riecht kurz nach Wunderkerzen, dann ist der ganze Spuk vorbei. Binnen Sekunden ist der Brand gelöscht – noch bevor er richtig begonnen hat.

„Beeindruckend, oder?“, fragt Reiner Göbel, der die Feuer-Show inszeniert. Gelassen steht der Elektriker in dem hellen Qualm, der aus den Ritzen des Schrankes dringt. Und atmet ruhig weiter.

„Bei diesem Mittel besteht keine Gefahr für Mensch und Maschine“, versichert der Feuer-Spezialist, der seit 32 Jahren im Unternehmen ist. Diese Umweltverträglichkeit und die Schnelligkeit zählen zu den Stärken des Aerosol-Feuerlöschers.

Feuer im Betrieb kann schließlich existenzielle Folgen haben: Im Nu steht das Werk still, es drohen Folgeschäden in Millionenhöhe. Alle 25 Minuten, so erzählt Produktmanager Matthias Agostin, brennt in Deutschland eine Fabrikhalle oder Industrieanlage.

Auf Schiffen und in Windrädern

Gefahr droht nicht nur durch die Flammen. Auch Wasser und Pulverlöscher können große Schäden anrichten – vor allem in elektronischen Anlagen, wie Agostin erklärt. Und das Feuer mit Kohlendioxid aus einem CO2-Löscher zu ersticken, wäre aufgrund erhöhter Konzentrationen für die Menschen zu gefährlich.

Mit dem System aus Burbach aber überstehen Mensch und Gerät den Löscheinsatz unbeschadet. Agostin: „Die Partikel lassen sich später einfach absaugen.“

Wie genau die Sache funktioniert, erklärt der Experte so: Ein feiner Detektor reagiert auf Rauch, ansteigende Temperaturen oder das Infrarot-Licht, das Funken aussendet. Er löst sofort einen Antrieb aus, wie er in Airbags steckt. Der zündet in Bruchteilen von Sekunden sogenannte Löschsatzscheiben, die aus einem fest zusammengepressten, dunklen Pulver bestehen.

Als Folge dieser Reaktion entstehen Pottasche (Kaliumkarbonat) und Reaktionsgase, die mehrere Hundert Grad heiß sind. Beides durchströmt nun eine Schicht mit Kühlmittel-Tabletten, die Temperatur fällt rasant ab. Am Ende tritt aus dem Boden des Löschers mit großem Druck ein weißer Nebel aus – das Aerosol.

Darin ist die Pottasche in Form von winzigen Partikeln (0,5 bis 2,5 Mikrometer) enthalten: „Diese entziehen dem Feuer Energie“, sagt Agostin. Die Verbrennungsreaktion wird auf chemischem Weg unterbrochen. Und der Umgebung wird dabei kaum Sauerstoff entzogen.

Zum Einsatz kommt der Löscher bevorzugt in geschlossenen Räumen wie auf Schiffen, im Innern von Windrädern, in Werkzeugmaschinen oder unter der Haube von Autos der Luxusklasse. Der kompakte Feuerschutz wird vorwiegend in Handarbeit gebaut, Zehntausende verlassen jährlich das Werk.

 

 

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