Gewinn oder Niete

Mit Tombola-Losen von Wolf & Appenzeller kann man in ganz Europa sein Glück probieren

Markgröningen. Wo mag er wohl drinstecken, der Hauptgewinn? In einem roten, einem blauen oder doch eher in einem grünen Los? Wie genau man auch hinsieht, wie man sie auch dreht und wendet – bis auf die Farben sehen die gerollten Zettelchen alle gleich aus.

Das muss auch so sein. Schließlich macht genau diese Spannung vielen Menschen Spaß, wenn sie ihr Glück versuchen: ob an der Losbude auf dem Rummelplatz, bei Gewinnspielen von Versandhäusern oder Markenherstellern, bei der Tombola eines Vereins- oder Schulfestes.

„Sind diese Lose gerollt, kommen sie aus unserem Betrieb“, betont Dagmar Keiser-Sachse, Geschäftsführerin von Wolf & Appenzeller in Markgröningen. Aus der Kleinstadt nahe Stuttgart liefert diese Firma die kleinen Glücksscheine an Kunden in ganz Europa – rund 170 Millionen Stück pro Jahr.

Armbändchen für Neugeborene

Keiser-Sachse leitet das typische Familienunternehmen gemeinsam mit ihrer Schwester Petra Sayer in der dritten Generation. Beider Großvater, der Ingenieur Karl Appenzeller, hatte es 1928 zusammen mit dem Kaufmann Berthold Wolf gegründet. Sie starteten die Losproduktion mit einer selbst entwickelten und patentierten Loswickelmaschine, hinzu kamen dann Festartikel wie Girlanden.

Heute bietet der Betrieb, der knapp 50 Mitarbeiter beschäftigt, ganz verschiedene Los-Sorten an – gerollt und gefaltet, vom kleinen Glücksbringer bis zu aufwendigen Rubbelkarten oder ganz individuell bedruckbaren Brieflosen. „Wir wecken Lebensfreude, das ist unser Motto“, sagen die Geschäftsführerinnen.

Rollengutscheine, Etiketten, Schlüsselbänder, Startnummern und so fort sind ebenfalls im Sortiment. Zudem ist Wolf & Appenzeller inzwischen Spezialist für bedruckbare Eintrittskontrollbänder aus verschiedensten Materialien und für viele Sicherheitsstufen.

Ums Handgelenk gebunden, kommen sie zum Beispiel bei der Einlasskontrolle in Freizeitparks oder All-inclusive-Hotels zum Einsatz. 2014 wurden über 20 Millionen Eintrittsbändchen produziert. „Tendenz steigend“, sagt Keiser-Sachse, „seit gut zwei Jahren produzieren wir auch Patientenarmbänder für Krankenhäuser. Die werden als Sicherheitsmaßnahme in Europa immer mehr zum Standard, nicht nur bei Neugeborenen.“ Im firmeninternen „Innovationskreis“ wird ständig über neuen Ideen gebrütet, die sich aus den Kernkompetenzen rund um Feste und Veranstaltungen ableiten lassen.

Dabei behalten die klassischen Lose ihren festen Platz im Sortiment. Denn so unscheinbar sie auch aussehen – in den Zettelchen steckt umfangreiches Wissen.

Auf Kundenwunsch: Fertigung unter notarieller Aufsicht

„Es beginnt schon bei der Auswahl der Papierqualitäten, die absolut identisch sein müssen, damit man Nieten und Treffer mit bloßem Auge nicht unterscheiden kann“, erläutert Produktionsleiter Hans-Peter Ade. Daher wird das Papier dann gleich tonnenweise eingekauft; im Lager und in den Produktionsräumen sorgt eine Klimaanlage für gleichbleibende Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Fast alle Produktionsanlagen in dem Traditionsbetrieb sind Eigenkonstruktionen, in ihnen steckt viel spezielles Know-how. AKTIV darf deshalb da zwar gucken – aber nicht fotografieren.

Auf Kundenwunsch werden die Lose übrigens sogar unter notarieller Aufsicht produziert. Oder unauffällig codiert, um Betrugsversuche bei einer Auslosung zu verhindern. „Hier geht es oft um Glücksspiel oder teure Preise: Da muss einfach alles nachweisbar korrekt zugehen“, sagt Geschäftsführerin Sayer.

Details darüber lassen sich die beiden Chefinnen natürlich auch nicht entlocken. „Betriebsgeheimnis“, sagen sie übereinstimmend.


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