Fachkräfte-Nachwuchs

Mit Teamgeist und Power zum Ausbildungsplatz


Acht Firmen aus Hannover geben benachteiligten Jugendlichen eine Chance

Sie ziehen so koordiniert an ihren Schnüren, dass der Ball genau in der Mitte bleibt. Aufgabe gelöst! Dann gilt es, in 60 Minuten einen frei stehenden, stabilen Turm aus Pappe zu bauen. Und noch eine Team-Übung: in der Gruppe eine symbolische Brücke aus Holzplatten errichten.

Es sind ungewohnte Herausforderungen. Die zwölf jungen Leute im Alter von 16 bis 19 Jahren  müssen schnell planen, kons­truieren, entscheiden – und dann handeln. Sie kennen sich erst seit wenigen Tagen. Ohne Kommunikation, Toleranz und Disziplin geht es nicht.

„Endlich machen wir mal was“

„Fit für die Ausbildung“ heißt das Projekt, das jetzt acht Firmen in Hannover starteten, um benachteiligten Jugendlichen den Sprung ins Berufsleben zu erleichtern. Als Erstes machen jetzt diese zwölf ein viermonatiges Praktikum – drei Tage pro Woche im Betrieb und zwei Tage in der Berufsschule. Die Firmen wollen zeigen, dass sich Leistung lohnt: Schon im Praktikum gibt es eine Vergütung. Bei Erfolg winkt ein Ausbildungsvertrag.

Die Jugendlichen waren keine Stars in der Schule. Am Anfang steht hier, im Zeppelin-Bildungshaus in Goslar im Harz, eine Woche Teamtraining auf dem Programm. Es geht um soziale Kompetenzen. Schnell wird klar: Ihre zweite Chance wollen sie nutzen.

Kevin Bruns träumt davon, Maschinen- und Anlagenführer zu werden. Nach der Hauptschule fand er keine Lehrstelle. Nun hat er, wie vier weitere Teilnehmer, ein Praktikum bei dem Kautschuk-Unternehmen Jäger-Gruppe. Die Tage im Harz sind für ihn eine neue Erfahrung, sagt er: „Endlich sitzen wir nicht nur rum, sondern machen mal was.“

Emre Ünal sieht das Praktikum als Sprungbrett: „Ich mache es bei Sennheiser. Hoffentlich kann ich dann später dort eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik machen.“ Diesen Ausbildungsberuf wünscht sich auch der 16-jährige Federico Nassisi. Sein Praktikumsbetrieb ist KIND Hörgeräte.

Anne Braun ist die einzige Frau im Seminar. „Damit habe ich kein Problem, ich kann mich gut durchsetzen“, sagt sie. Mit vier weiteren Teilnehmern beginnt sie bei VSM Vereinigte Schmirgel- und Maschinen-Fabriken AG ihr Praktikum.

Das Netzwerk „Zukunft-Inc.“

Auch der Gebäck-Hersteller Bahlsen, das Systemhaus HaCon, der Gießereizulieferer Hüttenes-Albertus und die Brandschutzfirma Wagner unterstützen das Projekt. Die acht Firmen sind im Netzwerk „Zukunft-Inc.“ (www.zukunft-inc.de) zusammengeschlossen, das vorrangig Fachkräfte auf die sehr guten Karrierechancen im Raum Hannover aufmerksam machen will.

Doch Fritz Kelle, Personalleiter der VSM AG, betont: „Wir sehen außerdem gesellschaftliche Verantwortung zur Förderung benachteiligter Jugendlicher.“

 

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