Mittelstand

Mit Hypnose gegen das Rauchen


Bei Gesundheit und Sicherheit geht die Firma Hesse originelle Wege

Noch ein kräftiger Zug – und dann ist Schluss. Endgültig! Michael Möritz will aufhören mit dem Rauchen. „So geht es nicht weiter“, sagt er. Und hat sich zum Entwöhnungsseminar angemeldet – zusammen mit 18 Kollegen von der Firma Hesse GmbH in Hamm. Ein Psychotherapeut will ihnen das gesundheitsschädliche Laster mit Hypnose und Akupunktur abgewöhnen, ein von den Krankenkassen anerkanntes Verfahren. Der Arzt kommt zu der Sitzung in die Firma, und zwar während der Arbeitszeit. Dabei ist im Betrieb gut zu tun.

Hesse, ein mittelständischer Hersteller von Lacken und Beizen, möchte gesunde Mitarbeiter haben. Die besser nicht rauchen. Daher dürfen sie nur draußen auf „Raucherinseln“ paffen – und das auch nur noch in den Pausen. „Da drücken wir kein Auge mehr zu“, sagt Personalmanagerin Antje Enderling. „Das hat uns rechnerisch eine erhebliche Produktivitäts-Erhöhung gebracht.“ Denn es verstreicht weniger Arbeitszeit ungenutzt.

Der Mittelständler macht das nicht aus Eigennutz. Er hat die Gesundheit seiner Beschäftigten im Sinn. Deshalb gibt es bei Hesse fettarmes Mittagessen,  Diabetes- und Antistress-Seminare sowie Rückenschulungen für Lastwagenfahrer und Laboranten.

Engagement schon vor dem Tarifvertrag

Ende 2006 fing alles an. Damals erkannte die Geschäftsführung: Es ist Zeit zum Handeln. 43 Jahre alt waren die Hesse-Beschäftigten im Durchschnitt, in manchen Abteilungen ging der Schnitt sogar Richtung 50. Und der Krankenstand war hoch.

„Wenn die Beschäftigten auch mit 66 oder 67 noch fit sein sollen, musste ein umfassendes Gesundheits-Management her“, sagt Enderling. Und Hesse legte los, noch bevor der Demografie-Tarifvertrag mit seinen Hinweisen für ein betriebliches Gesundheitswesen in Kraft trat.

Was aber tun? Das Unternehmen befragte die Mitarbeiter. Und machte ihre Vorschläge wahr: In den Mittagspausen kommt nun ein Massageteam vorbei. Mit zwei Fitness-Studios hat Hesse Sonderkonditionen ausgehandelt. Zum Beispiel, um Nordic Walking zu üben. Jeder Arbeitsplatz wird regelmäßig auf Gesundheitsrisiken gecheckt. Produktion, Verwaltung, Logistik und Labor haben eigene Gesundheitszirkel. Im Intranet gibt es Gymnastik-Tipps.

Das Engagement wirkt. Die Laborantin Renate Linhoff holt sich nun immer den Hocker, wenn sie oben aus dem Regal eine Flasche braucht. „Sogar zu Hause halte ich mich daran“, sagt sie. Ihre Kollegin Melanie Hüttemann trägt nun immer Handschuhe, wenn sie mit Chemikalien hantiert. „Bei alldem unterstützen uns die Krankenkassen enorm“, sagt Geschäftsführer Hans J. Hesse. Sie helfen mit Ideen, geben Zuschüsse, vermitteln Trainer und Ernährungs-Berater und organisieren den Firmenlauf.

Viel Effekt mit wenig Kosten

Bei der Raucherentwöhnung tragen sie einen Großteil der Kosten. Und sie belohnen das gesunde Leben der Mitarbeiter mit Bonusprogrammen. „So erzielen wir mit wenig Kosten viel Effekt“, sagt Hesse.

Manchmal ist einfach keine Zeit für Fitness, weiß Außendienstler Roland Lorenz. „Man muss ja auch arbeiten.“ So hat er den letzten Firmenlauf verpasst. Weil er viel herumkommt, weiß Lorenz das Engagement seines Arbeitgebers aber zu schätzen: „Es gibt Betriebe, in denen die Mitarbeiter nicht einmal richtige Arbeitskleidung haben, geschweige denn ein Gesundheits-Management.“ Für Lorenz steht fest: Beim nächsten Firmenlauf ist er dabei.

Matilda Jordanova-Duda

Info: Hesse GmbH & Co. KG

Das Unternehmen Hesse GmbH & Co.KG in Hamm ist einer der drei größten Hersteller von Lacken und Beizen für Holz im Innenbereich in Europa und hier in Deutschland Marktführer. 500 Mitarbeiter, davon 35 Azubis, setzen mit den Produkten rund 80 Millionen Euro im Jahr um, 45 Prozent davon im Export. Möbelhersteller, Schreiner, Dachdecker und Schiffbauer setzen die Lacke und Beizen ein.

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