Entwicklung

Mit Hightech gegen Schädlinge


Die Firma Schirm liefert weltweit – vor allem Pflanzenschutz

Schönebeck. „Augenscheinlich ist alles in Ordnung“, sagt Michael Piel nach einem letzten prüfenden Blick in die Synthese-Anlage. Doch das „augenscheinlich“ reicht ihm nicht. Bevor er mit dem aufwendig gereinigten Gerät etwas anderes herstellt als bisher, lässt er alles noch mal peinlich genau vom Labor checken.

„Schon eine kleine Verunreinigung könnte das Aus für die nächste Produkt-Charge bedeuten“, erklärt Piel. Er ist Gruppenleiter bei der Unternehmensgruppe Schirm am Hauptsitz in Schönebeck nahe Magdeburg. 186 Mitarbeiter stellen hier Feinchemikalien und Pflanzenschutz-Wirkstoffe her, bei denen es in besonderem Maß auf Qualität und Reinheit ankommt.

Alles nach Kundenwunsch

Solche Mittel für die Landwirtschaft sind das Ergebnis von Hightech-Chemie. Wie Arzneimittel dürfen sie erst nach umfangreichen Tests und bestätigter Unbedenklichkeit für den Menschen eingesetzt werden. Das stellt höchste Anforderungen an die Produktion.

Schirm hat keine eigenen Produkte, sie ist ein sogenannter Lohnfertiger der Agrochemie-Konzerne. „Nahezu alle Großen der Welt lassen bei uns produzieren“, sagt Frauke Richter, die stellvertretende Standortleiterin in Schönebeck. So wird zum Beispiel ein bestimmtes Mittel gegen Unkraut bei Zuckerrüben weltweit nur dort hergestellt.

„Es handelt sich um eine komplizierte achtstufige Synthese, für die Harnstoff etwa vom nahe gelegenen SKW Piesteritz eingesetzt wird‘‘, erklärt Richter. Schirm fertigt in Schönebeck rund 520 verschiedene Produkte, dazu zählen auch rund 50 synthetisierte Feinchemikalien und 7 Agro-Wirkstoffe. Sie werden in jeder beliebigen Menge geliefert – egal ob der Kunde 10 Kilogramm oder 1.000 Tonnen benötigt.

Auf Wunsch produziert Schirm auch das fertig abgefüllte Pflanzenschutzmittel – das ähnlich wie eine Arznei ja nicht nur aus dem eigentlichen Wirkstoff besteht, sondern auch aus Zusatzstoffen. Außerdem im Programm sind diverse Entwicklungsdienstleistungen, Logistik sowie die Beschaffung von Rohstoffen.

Schirm ist als mittelständische Firma mit so einem breiten Angebot einzigartig in Deutschland. Weitere Standorte in Wolfenbüttel, Baar-Ebenhausen, Lübeck und im US-Bundesstaat Texas sorgen zudem auch geografisch für Kundennähe.

Zentrale im Osten

Gegründet wurde Schirm 1957 in Lübeck (Schleswig-Hol­stein). 1992 wurde das Werk in Schönebeck gekauft, das schon zu DDR-Zeiten Pflanzenschutzmittel herstellte. Der Standort Schönebeck wurde inzwischen zum Firmen-Hauptsitz.

„Im Krisenjahr 2009 hatten wir unser bestes Ergebnis“, berichtet Bernd Müller, der Geschäftsführer der Unter­nehmensgruppe Schirm. „Das ist der Lohn dafür, dass wir die Kompetenzen un­serer Firma sukzessive gebündelt und ausgebaut haben.“

Müller hat seit 1992 allein in Schönebeck den Umsatz auf das Elffache gesteigert – auf 33 Millionen Euro. Die gesamte Schirm-Gruppe erwirtschaftete im Jahr 2009 mit 680 Mitarbeitern einen Umsatz von 93 Millionen Euro.

Schirm gehört zum Duisburger Konzern Lehnkering. Mit einem Umsatz von rund 550 Millionen Euro und über 2600 Mitarbeitern ist Lehnkering einer der europaweit führenden Logistikdienstleister in der Chemie- und Stahl-Branche.

Uwe Rempe

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang