Weinlese

Mit Handarbeit zum wahren Weingenuss


Wie ein Winzer sich mit seinem Familienbetrieb dem Wettbewerb stellt

Minheim. Die kräftigen Unterarme von Christoph Koenen verraten: Der Mann kann zupacken. Besonders jetzt, wo die Weinlese auf den Hängen an der Mosel beginnt. Doch wenn der Winzer aus Minheim seine Trauben pflückt, nimmt er sie ganz zart in der Hand.

Die nächsten Wochen sind entscheidend

„Daraus machen wir unseren Rieslingwein“, sagt der 40-Jährige und zupft Blätter vom Rebstock, damit die Trauben Sonne tanken können. Über 48.000 Winzer in Deutschland bearbeiten in 13 Anbaugebieten über 100.000 Hektar Weinbergfläche. Die meisten im Neben­erwerb. Für 9.000 ist die Arbeit im Weinberg Hauptberuf – auch für Koenen: „Es ist ein gutes Gefühl, die Traube bis zum fertigen Wein zu begleiten.“

Seine gut vier Hektar großen Weinberge erstrecken sich über die teils steilen Hänge der Minheimer Moselschleife. Dort wird er die nächsten sechs Wochen jeden Tag verbringen. „Wir können nicht alle Trauben sofort herunterholen. Manche müssen noch reifen. Also lesen wir in mehreren Etappen“, erklärt Koenen.

Die ganze Familie arbeitet mit, verstärkt um zehn Helfer: Trauben lesen, pressen, den Most in Tanks abfüllen. Aus einem Hektar Rebfläche entstehen 10.000 Flaschen Riesling.

In flacheren Lagen ernten oft Maschinen die Trauben, doch meistens ist die Weinlese auch heute noch Handarbeit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Neuneinhalb Millionen Hektoliter Wein haben die meist mittelständischen Familienbetriebe der Branche 2011 produziert. Umsatz: rund drei Milliarden Euro.

50 Jahre alte Reben tragen immer noch

Ernst Büscher vom Weininstitut in Mainz sagt: „Gerade die heimischen Sorten entdecken die deutschen Weintrinker seit einigen Jahren wieder.“ Mehr als die Hälfte des Weißweins in deutschen Kellern stamme von hiesigen Reben.

Moselwinzer Koenen bestätigt: „Wir haben in den letzten Jahren sehr an Geschmack, Qualität und Image gearbeitet. Das zahlt sich jetzt aus.“ Auch im Ausland: Rund 60 Prozent der weltweit verkauften Rieslingsorten stammen von deutschen Weinbergen, die Winzer wie Christoph Koenen bewirtschaften.

Doch nur Trauben lesen und keltern, das reicht nicht mehr. Winzer sind auch Kaufleute. Riesling-Spezialist Koenen verkauft zwei Drittel seiner Weine direkt am Gut. „Der Direktverkauf ist lukrativer als Trauben oder Fasswein an eine Genossenschaft zu festgelegten Abnahmepreisen zu verkaufen.“ Er lädt zu Weinproben ein, stellt sich regelmäßig auf Messen vor und verkauft im Einzelhandel.

„Unser Wein steht in Trier und Umgebung in den Edeka-Regalen“, verrät Koenen. Vor zwölf Jahren sah das noch anders aus. Koenens Vater lieferte Trauben und Fasswein an die Genossenschaft – zur weiteren Verarbeitung.
Der Sohn dagegen hat das eigentliche Weinmachen in das 1635 gegründete Weingut zurückgeholt. Er setzt darauf, dass die Deutschen Qualität ­zu schätzen wissen.

Die haben im vergangenen Jahr 18 Millionen Hekto­liter getrunken. Koenen weiß: „Da lässt sich noch so manches Weinglas füllen.“ Auch mit Trauben von seinen Rebstöcken. Viele davon hat vor 50 Jahren sein Vater gepflanzt. Bei guter Pflege tragen sie noch weitere 50 Jahre.

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