Motortechnik

Mit großem Antrieb in die Zukunft


100 Jahre Erfahrung: MTU Friedrichshafen hat Gründe, zu feiern

Friedrichshafen. Die Welt ist in Bewegung. Und wie: Mit 254 Stundenkilometern rauscht der schnellste dieselgetriebene Zug „Talgo“ durch Spanien. Mit mehreren Tausend PS gleiten viele Jachten übers Meer – und  während  ihre  Motoren laufen, vibrieren drinnen meist nicht einmal die Gläser. Das beeindruckt sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel, obwohl sie rasantes Reisen gewohnt ist: Sie feierte jetzt in Friedrichshafen mit dem Mo­torenhersteller MTU dessen 100. Geburtstag. Bei der Jubiläumsgala hielt sie die Festrede, und sagte, angetan von der In­novationskraft deutscher Produkte: „Wir können mit Zuversicht in die Zukunft blicken.“

Eine große Ehre für die Firma, deren Erfolgsrezept der Vorstandsvorsitzende Volker Heuer so beschreibt: „Wir haben seit 100 Jahren den Anspruch, die besten Produkte zu liefern.“

Innovationen schreiben Geschichte

Die Unternehmensgeschichte begann mit einem tragischen Unfall: 1908 muss ein Zeppelin in Echterdingen notlanden, geht in Flammen auf. Der Kons­trukteur Karl Maybach entwickelt für den Grafen Ferdinand von Zeppelin einen betriebssicheren Motor für Luftschiffe. „Heute würde man das als kundenspezifische Lösung bezeichnen“, schmunzelt Heuer.

Maybach gründet mit seinem Vater und dem Grafen die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH. Und die schreibt Geschichte. 1933 sorgt der „Fliegende Hamburger“ für Aufregung, eine Eisenbahn mit dem ersten schnell laufenden Großdieselmotor. Er „fliegt“ in zwei Stunden, 18 Minuten von Berlin nach Hamburg – eine Sensation.

1969 legen Maybach, Daimler-Benz und MAN ihre Großmotoren- und Flugzeugturbinen-Sparten zusammen. Zur „Motoren- und Turbinen-Union“, kurz MTU. Seit 2006 heißt der Firmenverbund Tognum-Gruppe. Dazu zählen neben MTU (Motoren und Antriebssysteme) die Marken MTU Onsite Energy (dezentrale Energiesysteme), L’Orange (Einspritzsysteme) und Rotorion (Gelenkwellen).

Die Geschäfte liefen zuletzt sehr gut: Der Konzern hat im vergangenen Jahr die Gewinne um 33 Prozent gesteigert und in Deutschland 611 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Für Tognum arbeiten derzeit 8.930 Menschen, großteils in Friedrichshafen.

Krisenpaket sichert Arbeitsplätze

2009 wird der Umsatz allerdings um 10 bis 20 Prozent zurückgehen, schätzt Heuer. Er will die Stammbelegschaft in der Krise trotzdem halten. „Weil wir sie brauchen, sobald die Märkte wieder anziehen“, erklärt er.

Wie er das hinbekommt? Der Konzern-Chef erläutert: „Wir haben ein sehr gutes Arbeitszeitmodell.“ Außerdem will Heuer ausgelagerte Teile der Produktion zurückholen, wenn die eigenen Werke nicht ausgelastet sind. Und eine gruppeneigene Jobvermittlung soll die Mitarbeiter optimal auf die Standorte verteilen.

Betriebsrat, IG Metall und Unternehmensleitung haben zudem ein tarifliches Krisenpaket geschnürt, das Kurzarbeit verhindern soll.

Im Juli steht ein großes Fest für die Mitarbeiter auf dem Programm. Heuer: „Die Menschen in diesem Unternehmen waren und sind der wichtigste Erfolgsfaktor in der 100-jährigen Geschichte.“

Barbara Auer

www.100yearsmtu.com

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang