„Paper Wings“: AKTIV beim Finale des Papierflieger-Wettbewerbs

Mit Flugzeugen aus Papier kann man Lehrer ärgern. Oder Karrieren starten …

Friedrichshafen. Phillip Gustke läuft an. Fünf schnelle Schritte, kraftvoller Armzug, dann verlässt das Flugobjekt die Hand des 24-Jährigen. Fliegt. Hoch! Weit!! Sehr weit!!! 46 Meter! Gustke ballt die Faust, jubelt, am anderen Ende der Halle bestaunen Schaulustige respektvoll das gelandete Flugobjekt: einen Papierflieger.

Flugzeuge aus Papier: Deswegen sind sie alle hier, in der Messehalle Ost in Friedrichshafen, Bodensee. Es ist das deutsche Finale der „Paper Wings“. Drei Disziplinen gibt’s: längste Flugdauer, schönster Flug, längste Distanz, Gustkes Disziplin. Am Start: die Sieger der Qualifikationsrunden, ausgerichtet an deutschen Unis.

Man könnte das jetzt alles für Kinderkram halten, Partyspaß, passend zum Sponsorgetränk, das ja angeblich Flügel verleihen soll. Und hätte dann wohl Ärger mit Phillip Gustke. „Gute Weiten sind kein Zufall“, hat der noch kurz vor seinem Monsterwurf erklärt. Sondern das Ergebnis genauer Abstimmung des Fluggeräts. „Bei Langstreckenfliegern aus Papier zählen der richtige Schwerpunkt, der Luftwiderstand und der Auftrieb.“

Klingt, als hätte es gerade ein „echter“ Flugzeugkonstrukteur gesagt. Und tatsächlich sehen Experten einen Zusammenhang. „Ein Papierflieger ist mehr als ein Spielzeug“, betont Werner Gruber, Physiker am Institut für Experimentalphysik der Uni Wien. „Nämlich auch ein hervorragendes physikalisches Anschauungsobjekt für die Grundgesetze der Aerodynamik.“ Der amerikanische Luftfahrt-Ingenieur Ken Blackburn geht noch weiter. „Ich glaube, Papierflugzeuge können direkt dazu beitragen, Lösungen für Projekte und Designs der Luftfahrt zu finden.“


Der österreichische Kunstpilot Philipp Haidbauer, beim Wettbewerb prominentes Jurymitglied, hat da einen simpleren Ansatz: „Wir haben doch alle mit Papierfliegern angefangen!“ Und wer Biss habe, strebe später vielleicht nach einem Job in der Luftfahrt.

Papierfliegerei als Mittel der Nachwuchssicherung? Über 100.000 Beschäftigte hat die Branche hierzulande. Das ist ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren, meldet der Berliner Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrt-Industrie. Es könnten noch mehr sein: „Momentan benötigt die Branche in ganz Deutschland Tausende Ingenieure und Facharbeiter“, so der Verband.

Phillip Gustke, der Weitwurf-Champ, wird da aber wohl eher nicht helfen können. Der Dresdner hat sich in seinem Verfahrenstechnik-Studium bereits auf einen Werkstoff spezialisiert: „Leider auf Holz …“

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