Start in den Beruf

Mit einem ungewöhnlichen Programm zielt Conti auf weibliche Nachwuchskräfte


Hannover. Die 25-jährige Nachwuchskraft weicht der gestandenen Managerin nicht von der Seite. Meetings zu Anforderungen im Reifenbau, Geräusch- und Vibrationstests im Labor, Telefonate mit Kunden – Veronika Mische schnuppert einen Tag lang ins Innenleben des Automobilzulieferers Conti. „Unter dem Job einer Entwicklungsingenieurin konnte ich mir nicht viel vorstellen“, sagt sie. „Jetzt weiß ich, dass er mich interessiert.“

So wie der frischgebackenen Absolventin im Fach Maschinenbau geht es vielen jungen Menschen auf dem Weg in die Arbeitswelt. Mit Berufen wie Entwicklungsingenieurin oder zum Beispiel Ingenieur für Prozessqualität können sie nichts anfangen. Häufig sagt auch die Stellenausschreibung kaum etwas darüber aus, was hinter dem Job steckt.

Das weiß auch Conti – und hat das Programm „Job Shadowing“ aufgelegt: 15 weibliche Führungskräfte an neun Standorten nehmen sich zwei Tage Zeit, um jeweils zwei Studentinnen oder auch Studenten Einblick in ihren Arbeitsalltag zu gewähren und Fragen zum Job zu beantworten. Im Fall von Veronika Mische ist es Ute Leist, Führungskraft in der Entwicklungsabteilung und nebenbei Leiterin des Arbeitskreises „Frauen im Ingenieurberuf“ im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). In Abstimmung mit dem Testlabor und den beauftragenden Autoherstellern konstruiert sie Transporter-Reifen. Sie mag ihren Job, sie gibt ihre Erfahrungen daher gern weiter. „Weiblichen Nachwuchs zu fördern, ist mir ein Anliegen“, sagt Leist, die auch Mentorin an der Leibniz-Universität Hannover ist.

Auch wenn Conti mit dem Job Shadowing in erster Linie Frauen ansprechen will, richtet sich die Aktion an sehr gute Studierende beider Geschlechter. „Wir wollen den Anteil von Frauen in Führungsfunktionen erhöhen, aber damit keineswegs ein negatives Signal für männliche Bewerber senden“, betont Barbara Texter, die bei Conti für die Beziehungen zu den Unis zuständig ist. Entscheidendes Kriterium bleibe die individuelle Leistung. Für die 30 Plätze gingen 100 Bewerbungen ein, davon 75 von Frauen. „Der Ansturm hat uns überrascht und gezeigt, dass das Konzept, Arbeitsplätze im Verhältnis eins zu eins zu erkunden, aufgeht“, so Texter.

Spannend zu sehen, wie viel Know-how in einem Reifen steckt

„Für mich ist es spannend zu sehen, wie viel Know-how in so einem Reifen steckt und was schon beim Konstruieren alles bedacht werden muss“, gesteht Mische. Dabei wecken nicht nur die fachlichen Aspekte, sondern auch die Arbeit im Team ihr Interesse: „Im Studium muss man sich oft allein durchkämpfen – hier arbeiten die Kollegen gemeinsam an einer Lösung. Das gefällt mir.“

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