Menschen

Mit dem Rolli durchs Werk – na und?


Wie Max Langanki im Industriepark Kalle-Albert eine ganz normale Ausbildung absolviert

Wiesbaden. Der Weg zur Arbeit hat es in sich. Er führt  über Schlaglöcher, über Schienen und Schrägen, vorbei an donnernden Lastwagen und eiligen Fußgängern. Der angehende Bürokaufmann Max Langanki (22) nimmt den „Parcours“ durch den lebhaften Industriepark Kalle-Albert ganz cool. Im Rollstuhl. „Läufer haben’s auch nicht viel einfacher“, sagt er und flitzt davon.

Seit November ist Langanki Auszubildender beim Industriepark-Betreiber Infraserv Wiesbaden. In der Abteilung für Immissionsschutz lernt er, wie man Messberichte erstellt, Rechnungen schreibt, korrekt ablegt und wie man mit dem PC arbeitet. Klappt alles super. Nur die Ordner auf dem Schrank erreicht er nicht.

„Dann hilft man eben“, meint sein Kollege Jörg Schulz und greift nach oben. Auch bei der steilen Rampe, die vom Büro auf die Straße führt, fasst er mit an. „Anfangs war das ungewohnt“, sagt er. „Aber jetzt ist Max ein Azubi wie die anderen.“

Aufwendige Umbauten

Den Wunschberuf in einem ganz normalen Betrieb zu erlernen – das ermöglicht die Kooperation zwischen Infraserv und der Organisation A-BIS. Das Kürzel steht für „Arbeit, Beruf, Information und Soziales“. Seit acht Jahren erhalten 40 benachteiligte Jugendliche die Chance, mit den anderen 150 Azubis in dem Industriepark einen regulären Einstieg ins Berufsleben zu finden.

Wie die junge Frau, die trotz ihrer starken Legasthenie Chemikantin wird: Ein spezielles Programm korrigiert Formeln, wenn ihr ein Buchstaben-Dreher passiert. Oder der Azubi, der wegen seines Nierenleidens nachts zur Dialyse muss – und morgens pünktlich um 6.45 Uhr auf der Matte der technischen Werkstatt steht.

Sind alle so motiviert? Ausbildungsleiter Walter Schmidt lächelt: „Manche sind engagiert, andere brauchen Anschub – da sind alle Jugendlichen gleich.“

Damit im Betrieb überhaupt Menschen mit einem Handicap lernen können, wurde das Ausbildungsgebäude durch A-BIS umgebaut. Der ehemalige Lastenaufzug transportiert nun auch  Rollstuhlfahrer. Er sagt die Stockwerke laut an. Und die Flur-Türen öffnen sich via Bewegungsmelder automatisch.

Er spielt auch Basketball

Im Werk selbst ist man noch nicht überall so weit. „Besonders in der Produktion ist es schwierig“, weiß Schmidt. Damit die benachteiligten Azubis trotzdem den begehrten Abschluss schaffen, hilft Hildegard Neiß, die Seele von A-BIS, tatkräftig mit: „Wir sorgen zum Beispiel für hochfahrbare Rollstühle, Hör- und Lesegeräte, psychologische Unterstützung und spezielle Software.“ Das Lernpensum ist für alle gleich, Hilfsmittel sind jedoch erlaubt und erwünscht.

Langanki macht das Lernen Spaß. In der Freizeit spielt er Basketball, erkundet den Taunus, chattet im Internet. Die integrierte Ausbildung findet er klasse: „So kann ich meine Möglichkeiten voll ausschöpfen und später in einem ganz normalen Beruf arbeiten.“

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Schlagwörter: Ausbildung

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