Bildung

Mit Brause fängt das Forschen an


Ein Unternehmer macht Kindern Lust auf Naturwissenschaften

Brausepulver lutschen – für Kinder ist es das reinste Vergnügen. Das prickelt, kribbelt und schäumt so schön auf der Zunge. Aber Brausepulver oder -tabletten können mehr. Zum Beispiel einen Luftballon aufblasen. Steffen (6), Valerie (6) und Marina (5) vom Andreaskindergarten in Wallenhorst bei Osnabrück probieren es gerade aus. Sie werfen eine Brausetablette in eine Flasche Wasser. Pädagogik-Studentin Neele Dehlfing (23) zieht rasch einen Luftballon über den Flaschenhals. Im Nu bläht er sich auf.

Selbermachen weckt den Wissensdurst

„Cool“, staunt Steffen. „Machen das die Bläschen?“ „Genau“, erklärt Neele. „Beim Auflösen der Tablette entsteht ein Gas, das braucht Platz und füllt den Ballon.“

Einfache Versuche im Kindergarten – in Wallenhorst gehören sie heute fest dazu. Je einen Vormittag pro Woche kommen die Studentin Neele und ein angehender Ingenieur und wagen sich mit den Kleinen an die Anfangsgründe von Natur und Technik. Das Motto dabei: „Mitmachen, selber machen, erleben, Spaß haben“. Das weckt Wissensdurst und Forschergeist bei den Kleinen.

Gestartet hat die Versuche für die kleinen „Sandkasten-Ingenieure“ der Unternehmer Wolfgang Rabe. Der Inhaber des Familienbetriebs Rabe System Technik (30 Mitarbeiter, 10 Millionen Euro Umsatz) steckt jedes Jahr rund 10.000 Euro in das Projekt in seiner Heimatstadt. Und der Kindergarten macht gerne mit.

Der Auslöser für die Aktion: Der Mittelständler kennt die Folgen von Facharbeiter- und Ingenieur-Mangel aus dem eigenen Betrieb. „Ich habe manchmal große Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden“, sagt er. Das brachte Rabe auf die Idee, etwas für den Nachwuchs zu tun – auch, wenn er selbst wahrscheinlich gar nicht davon profitiert.

„Wir müssen die Kinder früh für Technik begeistern, wenn wir mehr Facharbeiter, Techniker, Naturwissenschaftler und Ingenieure wollen“, fordert Rabe. „Eigentlich steckt in jedem Kind ein Forscher.“ Aber wenn es in Klasse fünf mit Physik und Chemie losgeht, ist es oft schon zu spät. Die Leiterin des Andreaskindergartens Britta Finke bestätigt das: „Viele Kinder finden dann keinen Zugang mehr zu diesen Fächern.“

Forscher-Kisten und Technik-Ecken

Also muss man früh anfangen. Das Problem dabei: Die Erzieherinnen lernen in der Ausbildung nicht, wie sie die Kleinen auf einfache Weise an Physik, Chemie und Technik heranführen können, berichtet Finke. Doch heute sollen sie und ihre Kolleginnen hier die Grundlagen schaffen. Die Kindergarten-Leiterin ist daher dankbar für die Hilfe der Studenten.

Wie sie dürften sich einige Hundert Erzieherinnen in Deutschland freuen. Denn Rabe ist nicht der einzige Unternehmer, der sich hier engagiert.

Auch der Siemens-Konzern tut etwas. Er verteilte bisher 2000 Forscher-Kisten an Kindergärten (Wert: je 500 Euro). Die Telekom investierte 2007 rund 1,5 Millionen Euro in die Frühförderung. Und der Arbeitgeberverband Südwestmetall steckt 1 Million Euro in Technik-Ecken in 90 Kindergärten.

Auch Wolfgang Rabe lässt nicht locker. Gerade erscheint eine Broschüre mit Infos und Tipps zum Nachahmen der „Sandkasten-Ingenieure“. Damit will Rabe anderen Firmen Mut machen: „Kopieren ausdrücklich erwünscht!“, sagt er. „Ausnahmsweise.“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang