Weiterbildung

Mit 40 noch mal die Schulbank drücken


Bad Arolsen. Motoren ausbauen, fräsen, Anlagen reparieren: „Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal beruflich machen würde“, sagt Selver Yilmaz-Öner. Mit 40 Jahren hat die alleinerziehende Mutter noch einmal die Schulbank gedrückt. Und neben dem Beruf den Abschluss zur Industriemechanikerin nachgeholt. „Eine tolle Leistung“, findet Angelika Teppe, Personalchefin bei Spritzen-Hersteller Almo in Bad Arolsen.

360 Männer und Frauen sorgen für die jährliche Produktion von über zwei Milliarden Spritzen, die meisten Mitarbeiter haben eine qualifizierte Ausbildung. Die fehlte Yilmaz-Öner: „Früher habe ich in meinen Schulferien hier gejobbt und nach dem Abschluss gleich fest angefangen“, erzählt sie. Danach hatte sie keine Zeit, sich um eine Ausbildung zu kümmern.

Theorie und Praxis im Wechsel

Als ihr die Geschäftsleitung 2009 im Rahmen der Initiative „Perspektive Berufsabschluss“ anbot, sich berufsbegleitend zur Industriemechanikerin oder Verfahrensmechanikerin weiterzubilden, holte sie erst mal tief Luft.
„Ich sagte zu, obwohl Technik eigentlich nicht meine Leidenschaft ist.“

Innerhalb der Qualifizierungsmaßnahme durchlaufen die Teilnehmer über einen Zeitraum von drei Jahren eine modular organisierte Ausbildung. Dabei wechseln sich mehrwöchige theoretische und praktische Lerneinheiten ab, die beim Bildungsanbieter oder im Betrieb absolviert werden.

„Wir brauchen dringend Facharbeiter“

Der Clou: Das Gehalt läuft die ganze Zeit weiter. Denn die Kosten für die Maßnahme teilen sich die Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitgeber. Zehn Almo-Mitarbeiter profitierten von dem Programm. Personalchefin Teppe: „Das Unternehmen hat sehr viel Geld investiert.“

Sie ist begeistert von der Maßnahme: „Einfache Tätigkeiten gibt es in den Betrieben immer weniger. Wir brauchen dringend Facharbeiter, am besten aus den eigenen Reihen.“ Denn schließlich hätten die lang gedienten Kollegen auch ohne Ausbildung „entscheidend zum Erfolg des Unternehmens beigetragen“.

Für Selver Yilmaz-Öner war das ein anstrengender Weg, den sie mit Bravour und viel Fleiß meisterte: „Ich habe alle Zusatz-Lernangebote genutzt und auch in den Ferien gebüffelt“, berichtet sie. Heute hantiert sie souverän mit technischen Zeichnungen und Schraubenschlüsseln: „Auf meinen Abschluss bin ich sehr stolz“, sagt sie.

Ihr Chef Eckhard Kunau, Abteilungsleiter für Druck, Montage und Verpackung, ist es ebenfalls: „Man findet nicht viele Mechaniker auf dem Markt“, sagt er, „da freuen wir uns über so gute Leute!“

www.perspektive-berufsabschluss.de

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang