Standortsicherung

MIRS – eine Fabrik in der Fabrik


Trotz Krise investiert Pirelli Millionenbetrag

Breuberg (Odenwald). Ro­boter können manchmal richtig menschlich wirken. In der MIRS-Produktion bei Pirelli in Höchst ist das so.

Neun der roten Roboter stehen in Fertigungslinie 6 dicht nebeneinander und reichen sich  Teile  zu.  Ihre  Bewegungs­abläufe sind nicht rasend schnell, dafür aber äußerst präzise. Uwe Hensel schaut ihnen aus sicherem Abstand über die Schulter. In die Arbeit seiner Maschinen-Kollegen greift er nur ein, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Oder wenn das Material ausgeht und Nachschub erforderlich ist.

MIRS steht für „Modular Integratet Robotized Systems“ und bezeichnet eine rein ma­schinengesteuerte Herstellung. Nicht wenige sagen, mit der Erfindung von MIRS hat Pirelli im Jahr 2000 den Produktionsprozess von Reifen revolutioniert.

Thorsten Schäfer, Werkleiter MIRS, drückt es etwas sachlicher aus: „Wir sind deutlich flexibler geworden. Das kommt uns bei geringeren Stückzahlen sehr entgegen.“

50 Roboter tun ihren Dienst

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die Fertigungszeit eines Reifens verkürzt sich dank MIRS auf 72 Minuten. Bisher waren dazu volle sechs Tage nötig. „Mehrere unterschiedliche Reifentypen können wir in unserer Fabrik gleichzeitig produzieren“, erklärt Schäfer.

Ein echter Vorteil, wenn man  „High Performance“- oder „Ultra High Performance“-Reifen baut. Vor allem die Sportversionen aller namhaften Autohersteller werden mit diesen Reifen ausgerüs­tet. MIRS ist eine Fabrik in der Fabrik mit insgesamt sieben Fertigungs­linien,  an denen mehr als 50 Ro­boter ihren Dienst tun.

Doch ganz ohne Menschen geht es auch bei den Robotern nicht. Die Mitarbeiter programmieren, überwachen und steuern die eisernen Helfer. Sie sind gezielt auf die Anforderungen trainiert. 

Qualifizierung ist auch bei Pirelli der Schlüssel zum Erfolg. „Das ist das Pfund, mit dem wir innerhalb des Pirelli-Konzerns wuchern können“, sagt Josef Lottes, Geschäftsführer Personal und  Organisation. Von den 2600 Mitarbeitern sind 90 Auszubildende, 30 davon besuchen die Berufsakademie.

Leistung motiviert

Pirelli setzt auf den eigenen Nachwuchs, der frühzeitig in die gesamten Betriebsabläufe integriert wird, um später Verantwortung zu übernehmen. „Unsere jungen Leute werden in einer leistungsorientierten Umgebung groß“, sagt Lottes. „Das motiviert stark und schafft die Voraussetzung, um Ziele zu erreichen.“ Familiär ist es bei Pirelli trotz des großen Konzernverbundes geblieben. „Hier kennt jeder jeden, die Fluktuation ist sehr gering“, sagt Lottes. „Das ist ein Teil unseres Erfolgsrezeptes.“

Dass im Moment weniger Autos gebaut und somit auch weniger Reifen benötigt werden, ist aus seiner Sicht kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Krisen können auch Vorteile haben. Wir müssen damit umgehen. Wir werden weiter auf den Standort in Breuberg setzen“, versichert er.

Der Konzern lässt dieser Ansicht Taten folgen: In diesem Jahr investiert Pirelli einen zweistelligen Millionenbetrag in sein deutsches Werk. Werner Fricke

Info Pirelli

Pirelli Tyre ist – gemessen am Umsatz – der weltweit fünftgrößte Reifenhersteller und bekannt als der Erfinder des Breitreifens.  Der deutsche Standort ist im Herzen des Odenwaldes – im hessischen Breuberg. Hier er­streckt sich das Pirelli-Gelände auf rund 367000 Quadratmetern und teilt sich in drei Produktionsbereiche auf: die traditionelle Pkw-Reifenproduktion, MIRS (Modular Integratet Robotized Systems) und die Motorradreifenfertigung.

2600 Mitarbeiter produzieren hier rund 10 Millionen Reifen jährlich. Auch das weltweit zweitgrößte Pirelli-Entwicklungszentrum befindet sich in Breuberg.

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