Familienunternehmen

„Mir war immer klar, dass ich zurück möchte“


Fenster-Blick: Sandra Garbe entwickelt als Ingenieurin Schiebetechnik für Fenster und Türen. Bild oben: als Azubi im Blaumann in <em>AKTIV</em> im Juni 2001. Fotos: Gossmann, Roth

Bei Hautau fühlen sich Mitarbeiter wohl – wie diese Geschichte zeigt

Helpsen. Vor einem knappen Jahrzehnt, im Juni 2001, besucht AKTIV das Familienunternehmen Hautau GmbH – ein Hersteller für Baubeschläge in Helpsen westlich von Hannover. Die damals 17-jährige Sandra Garbe hat gerade ihre Ausbildung zur Werkzeugmechanikerin begonnen. Im Blaumann steht sie mit dem Ausbilder Dietmar Heinisch am Schraubstock und zeigt ein Werkstück.

Wir wollten wissen, wie es weiterging. Im Dezember 2010 fährt AKTIV in das Prüf- und Innovationszentrum von Hautau – ein repräsentativer Glasbau auf der grünen Wiese, den die Firma im vergangenen März eingeweiht hat. Die inzwischen 26-Jährige begrüßt ihre Besucher in ihrem hellen Büro, das einen herrlichen Blick ins Schaumburger Land bietet. Sie ist mittlerweile Maschinenbau-Ingenieurin, arbeitet im Projektmanagement.

Besonderes Vertrauensverhältnis

„Ich würde meinen Weg wieder so gehen“, sagt Sandra Garbe. Ihre Ausbildung beendete sie vorzeitig. Während des Studiums an der Fachhochschule Hannover hielt sie engen Kontakt zu Hautau. „Mir war immer klar, dass ich gern zurück möchte.“

Ihr damaliger Ausbilder Dietmar Heinisch, der mittlerweile 33 Jahre im Unternehmen ist, schaut regelmäßig im Büro vorbei. Er hatte mit 14 Jahren in diesem Betrieb selbst eine Lehre zum Werkzeugmacher begonnen.

„Solche Lebensläufe sind bei uns normal“, sagt der kaufmännische Geschäftsleiter Klaus-D. Vehling; auch er ist ein Eigengewächs. „Wer bei uns einmal ist“, so Vehling, „der bleibt in der Regel länger. Denn die Mitarbeiter wissen, dass wir dem Standort treu sind.“

Warum sind zahlreiche Mittelständler so erfolgreich? Was macht ihre Stärke aus? Nach Ansicht von Experten ist für viele Betriebe von Vorteil, dass sie in Familienbesitz sind.

Familienunternehmen planen meist langfristig, sind weniger als Großkonzerne auf kurzfristige Rendite fokussiert.

„Eigentümer wie Angestellte verbindet ein besonderes Vertrauensverhältnis“, unterstreicht Vehling. „Dieses Wir-Gefühl macht uns stark.“

Im Oktober erhielt Hautau den „Großen Preis des Mittelstands“, eine begehrte Auszeichnung der Oskar-Patzelt-Stiftung in Leipzig.

Typisch für mittelständische Familienbetriebe ist auch, dass sie sich auf eine Nische konzentrieren. Der Baubeschläge-Hersteller Hautau hat sich auf die Schiebetechnik und Automation von Fenstern und Fenstertüren spezialisiert und sich dort eine führende Position erarbeitet.

Auch Zeitarbeiter haben eine Chance

Die Wirtschaftskrise war für die Helpser kein Thema. „Weil wir nicht auf einen großen Kunden oder eine Region in der Welt konzentriert sind“, erklärt Vehling. Dennoch zählen auch für Hautau die Gesetze des Marktes. Strenges Kostenbewusstsein, hohe Qualität und Service, große Flexibilität – all das muss sein. So unterliegt der Auftragseingang extremen Schwankungen. „Er ist nicht planbar“, sagt der Prokurist.

50 bis 70 Zeitarbeiter sind deshalb in Stoßzeiten im Unternehmen. Sie gehören zur Mannschaft und haben beste Chancen, übernommen zu werden. So wie Frank Dzillum. 2010 haben insgesamt elf Zeitarbeiter den Sprung in die Festanstellung geschafft. Im Frühjahr dieses Jahres werden weitere folgen.

 

Info: Hautau GmbH

Die Hautau GmbH in Helpsen im Schaumburger Land wurde 1910 von Wilhelm Hautau gegründet und befindet sich in dritter Generation im Familienbesitz. Das Unternehmen ist führender Spezialist für Schiebetechnik und Automation rund um das Fenster. Rund 300 Mitarbeiter erwirtschafteten 2009 einen Umsatz von etwa 42 Millionen Euro.

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