Pharmaproduktion

Millionen Ampullen zu befüllen


B. Braun Berlin wächst mit Injektionslösungen und erweitert das Werk

Berlin. Es summt und brummt überall in der Fabrik. Als wären Bienenschwärme ins Werk eingefallen. Aber es sind die Geräusche der Automaten, die sich zu einem gleichmäßigen Summton überlagern, während die Geräte blitzschnell Ampullen abfüllen.

Die Pharmakantin Stefanie Wichert nimmt das Surren nicht mehr wahr. Konzentriert überwacht sie ihre Maschine hier im B. Braun-Werk Berlin-Rudow, kontrolliert die Anzeigen und packt Behälter voller Ampullen beiseite. Die enthalten Propofol, ein Mittel für die Kurzzeit-Narkose.

Investitionssumme 40 Millionen Euro

Fast 580 Millionen Ampullen befüllen Wichert und ihre 450 Kollegen im Jahr mit sterilen Injektionslösungen. In drei Schichten rund um die Uhr. „Wir sind an der Kapazitätsgrenze“, sagt Werkleiter Wilhelm Schlemermeyer.

Mehr geht nicht. Es sei denn, der Pharmakonzern B. Braun (weltweit 46.000 Mitarbeiter, 4,6 Milliarden Euro Umsatz) würde seine Produktion in Berlin erweitern. Und genau das macht das Unternehmen zurzeit. Für gut 40 Millionen Euro verdoppelt es die Produktionsfläche auf etwa 10.000 Quadratmeter und stellt Ansatzkessel, Abfüllanlagen und Verpackungsmaschinen auf. In anderthalb Jahren soll der Neubau, der 25 neue Arbeitsplätze schafft, fertig sein.

Anlass für die Investition ist der extreme Erfolg der Berliner mit ihren Produkten. Seit 2006, als Schlemermeyer Werkleiter wurde, ist die Produktion um etwa zwei Drittel gestiegen, 150 neue Mitarbeiter wurden eingestellt.

Das Geheimnis dieses Erfolgs? „Die Qualität der Produkte, unsere hohe Produktivität und dadurch das gute Preis-Leistungsverhältnis“, erklärt Schlemermeyer. Trotz hoher Löhne sei man weltweit wettbewerbsfähig.

Fast die Hälfte der Produktion exportiert B. Braun von Berlin aus mit Gewinn in alle Welt. Deshalb habe die Konzernleitung im hessischen Melsungen auch dieser Investition zugestimmt.

100.000 Liter Wasser pro Tag

Rund 500 Millionen Kunststoff- und 80 Millionen Glasampullen verlassen zurzeit pro Jahr das Werk. Gefüllt mit Kochsalzlösung, Kohlenhydraten, Elektrolyten oder Antibiotika. Die insgesamt 800 verschiedenen Produkte sind mindestens 24 Monate haltbar, unter tropischen Bedingungen oder in Eiseskälte.

Und damit sich kein Patient bei der Behandlung mit ihnen infiziert, sind alle Produkte steril. Dafür sorgt ein ganzes Bündel von Maßnahmen. So sind die Anlagen strengstens nach außen abgeschirmt, die Luft wird gefiltert, und im Werk herrscht ein höherer Luftdruck als draußen, damit keine Keime eindringen.

Zudem wird zum Herstellen der Lösungen hochreines, mehrfach destilliertes Wasser verwendet. 100.000 Liter pro Tag. Es ist so rein, dass es kaum noch elektrisch leitfähig ist. Hochreines Wasser dient auch dazu, die Abfüllanlagen zu reinigen und zu sterilisieren.

Das alles erfordert selbstverständlich eine Menge Know-how. Deshalb bildet B. Braun in Berlin auch kräftig aus. Aktuell lernen hier 37 Azubis ihren Beruf als Pharmakant, Laborant oder Mechatroniker. Damit das Werk weiter wachsen kann.

 

 

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