Ein Pulver für alle Fälle

Methylcellulose: Dow Wolff produziert wichtige Spezialchemikalie für den Bau

Teamwork: Produktionsleiter Marco Großstück, Anlagenfahrerin Kathleen Zeidler und Fahrer Rolf Schröder (von links). Foto: Sturm

Bitterfeld. Ob Berlin, Leipzig oder Köln: Die Silhouette vieler deutscher Großstädte wird von Kranen beherrscht. Die Baubranche ist dort überall gut im Geschäft. Da sind Materialien wie Trockenmörtel, Spritzputz oder Fliesenkleber gefragt.

Die Zutaten dafür kommen etwa von Dow Wolff Cellulosics in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt). Dort übergibt Anlagenfahrerin Kathleen Zeidler (32) gerade die Frachtpapiere für den Transport einer raffinierten Substanz: Methylcellulose. Das unscheinbare Pulver hat es in sich: – es steuert das Wasserbindevermögen und sorgt zum Beispiel dafür, dass man Fliesen auf dem Kleber noch gerade rücken kann, sie aber nicht von der Wand fallen.

„Im Bau wird es vor allem als Verdickungs- und Bindemittel eingesetzt“, erklärt Zeidler. Über die Rezeptur lassen sich die Trocknungszeiten genau steuern. In drei hochmodernen Anlagen vor Ort wird das begehrte Produkt rund um die Uhr hergestellt – alles für den Bau.

Silo-Lkws fahren die Fracht ins niedersächsische Walsrode. Am Hauptsitz des Unternehmens wird sie konfektioniert, verpackt und zum Kunden geschickt.

Ein anderes Methylcellulose-Produkt aus Bitterfeld eignet sich für den maschinellen Verputz. Beim Auftragen entsteht kaum Körnung. „Nacharbeit ist im Grunde nicht nötig“, so Produktionsleiter Marco Großstück. Erst seit April ist er hier, aber schon ein „alter Hase“ im Geschäft: Vor fünf Jahren war er als Ingenieur an der Errichtung der neusten Anlage beteiligt. „Ein ganz besonderes Schmuckstück“, schwärmt Großstück. Denn der Reaktor hat mit 55 Kubikmetern das „weltweit größte Reaktionsvolumen“ – das macht ihn wettbewerbsfähig.

Produkte aus Bitterfeld kommen rund um den Globus zum Einsatz. Um den Platz an der Spitze auf Dauer zu halten, entwickeln Experten ständig neue Rezepturen – „mit den Kunden“, wie Großstück betont.

Zudem arbeiten alle daran, die Anlagen möglichst effizient zu fahren. Das heißt: laufend Energie und Wasser sparen und die Auslastung weiter erhöhen. „Zur Spitzenposition trägt auch der hohe Ausbildungsstand der Belegschaft bei“, weiß Großstück, der sein Team von 90 Mitarbeitern und 10 Lehrlingen sehr schätzt.

Auf mehr Wissen setzt auch die frischgebackene Industriemeisterin Chemie Kathleen Zeidler: Drei Jahre lang hat sie neben der Schichtarbeit gebüffelt, um den Abschluss zu machen. „Eine harte Zeit“, sagt sie. Aber die Freude an ihrem Job und die finanzielle Unterstützung durch den Betrieb haben ihr den Weg nach oben ein ganzes Stückchen leichter gemacht.


Schon Gewusst?

Wie Methylcellulose entsteht

  • Methylcellulose basiert auf nachwachsenden Rohstoffen. Das Ausgangsmaterial ist Zellulose, die aus pflanzlichem Material gewonnen wird. Für die Herstellung wird sie zu feinem Granulat gemahlen.
  • Das Pulver wird im Reaktor mithilfe von Chemikalien (Methylchlorid, Natronlauge), Druck und Temperatur verarbeitet. Dabei gewinnt der Stoff eine neue Eigenschaft: Er kann jetzt Wasser aufnehmen.
  • Anschließend wird die Substanz mit 95 Grad heißem Wasser von Nebenprodukten gereinigt, dann getrocknet und gemahlen. Mit einigen Zusatzstoffen vermischt eignet sich das Pulver nun für diverse Baumittel.

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