Kleines für Riesen-Vogel

Metallteile von Böllhoff halten auch den Airbus A380 zusammen

Bielefeld. Tack, tack, tack – „Hochgeschwindigkeitsbolzensetzgerät“ – tack, tack, tack, tack. Während man zum Lesen des Begriffs etwa drei Sekunden braucht, hat die Maschine mit dem langen Namen zwei Bleche mit sieben Bolzen untrennbar verbunden. Keine andere Anlage auf der Welt kann das schneller und präziser.

Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben

Der patentierte Highspeed-Bolzensetzer steht wie ein Symbol für die Bielefelder Firma Böllhoff. Das Familienunternehmen produziert und handelt nicht nur mit Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, Nieten und anderen kleinen Teilen aus Metall und Kunststoff, die die Welt der Technik zusammenhalten. Sie entwickelt und fertigt für viele ihrer Produkte auch gleich die Systemtechnik, um die kleinen Dinger zum Beispiel in Autos zu verbauen. Marketing-Chef Frank Nientiedt: „Unsere Produkte stecken in allen Geräten und Maschinen des täglichen Lebens.“

Zwar sind die Westfalen als Handelsunternehmen groß geworden. Doch heute ist Böllhoff auch eine bedeutende Industriefirma mit weltweit 2.400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fast 490 Millionen Euro.

Mitte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts starteten die Bielefelder mit einem kleinen Drahtgewinde-Einsatz ihre Produktion. Der sogenannte Helicoil wurde etwa als Ersatzgewinde in die Zündkerzen-Halterung des Motorblocks eingedreht, wenn das Originalgewinde beschädigt war.

Noch heute wird das Teil in unterschiedlichen Größen gefertigt. Doch längst nicht nur als Reparaturteil. Es gehört jetzt zur Erstausstattung in vielen Geräten und Maschinen.

Nientiedt: „Beim Helicoil profitieren wir vor allem vom Leichtbau in vielen Branchen. Mit dem Teil schaffen wir stabile Gewinde in Aluminium und Kunststoff.“

Auch für die Luftfahrt. Da kommen die kleinen Teile in ganz großen Vögeln zum Einsatz: In den vier Triebwerken des Airbus A 380 sind insgesamt 12.000 Helicoils verbaut.

Ob Hochgeschwindigkeitsbolzen oder Blindnietmutter (damit ist beispielsweise der Trinkflaschenhalter am Fahrrad befestigt) – moderne Verbinder verbindet ein Vorteil: Sie werden einseitig, zumeist von außen, angebracht.

Produkte stecken ebenso im Kofferraum

Will heißen: Niemand muss auf der Innenseite eine Mutter festhalten, in die eine Schraube gedreht wird. Durch die hohe Geschwindigkeit, mit der der Bolzen zwei zu verbindende Bleche durchschlägt, fließen diese quasi um ihn und gehen eine hochfeste Verbindung ein.

Zwar besteht nach wie vor das Gros der zu mehreren Milliarden pro Jahr produzierten Kleinteile aus Metall, doch der Anteil von Kunststoff nimmt stetig zu – auf inzwischen 10 Prozent. So produziert Böllhoff Baugruppen Clips und andere Kleinteile im Spritzgießverfahren für die Auto-Industrie.

Wer den Kofferraum seines VW, Opel, Mercedes, BMW oder Renault öffnet, findet rechts oder links in der Abdeckung den Verschluss einer kleinen Klappe. Und wer daran dreht, hält ein Böllhoff-Bauteil in der Hand!


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