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Radfahren extrem

Metallbau-Meister bei Vetter Krantechnik misst sich beim Mountainbiken mit den Besten

Im Job programmiert und bedient Michéll Schulze Schweißroboter. In der Freizeit fährt der Mountainbiker das wohl schwierigste Eintagesrennen Europas. Beim legendären „Sellaronda Hero“ sind Steigungen bis zu 32 Prozent zu überwinden.

In der freien Wildbahn: Michéll Schulze bei einem MTB-Wettkampf. Foto: Meyer

In der freien Wildbahn: Michéll Schulze bei einem MTB-Wettkampf. Foto: Meyer

In der Schweißkabine: Der Metallbauer arbeitet mit einem hochmodernen Roboter. Foto: Moll

In der Schweißkabine: Der Metallbauer arbeitet mit einem hochmodernen Roboter. Foto: Moll

„Ich stelle mich Herausforderungen mit Disziplin.“ Michéll Schulze. Foto: Moll

„Ich stelle mich Herausforderungen mit Disziplin.“ Michéll Schulze. Foto: Moll

Haiger/Siegen. Dieser Mann hat eine besondere Eigenschaft: Stehvermögen. Genau darum dreht sich so ziemlich alles im Leben von Michéll Schulze. Im Job bringt er beharrlich Schweißroboter dazu, das Rückgrat von Kranen stabil zusammenzufügen. In der Freizeit fährt der Mountainbiker mit Rennlizenz das wohl schwierigste Eintagesrennen Europas. Auch da läuft nichts ohne Stehvermögen.

Sein Arbeitgeber Vetter baut Krane – 4.000 im Jahr

Mit drei weiteren Kollegen gehört Michéll Schulze zu einem kleinen Schweiß-Team, dem beim Kranhersteller Vetter die Zukunft gehört. 4.000 Krane verlassen pro Jahr die Produktion in Haiger, einem Ort südlich von Siegen, um anschließend in den Werkhallen, Marinas und auf den Ölplattformen dieser Welt Lasten zu bewegen. Der gelernte Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik: „Wir bauen in unserer Abteilung die Wirbelsäulen der Krane.“

Den Weg des Roboterarms bestimmen, einzelne Schweißpunkte anfahren, die richtigen Schweißparameter wie Dicke und Art der Naht einstellen – das Programmieren und Bedienen eines Schweißroboters der neuesten Generation hat sich Schulze in zahlreichen Lehrgängen angeeignet.

Auf dem Weg zu seinem Top-Job bewies er den Mut, den er auch bergab auf dem Mountainbike braucht: Er kündigte seinem alten Arbeitgeber und machte über Monate den Metallbau-Meister bei der Handwerkskammer Koblenz: „Kein Job, kein Geld. Aber ich wollte das unbedingt, um mich weiterzuentwickeln.“

Das hat er geschafft, indem er sein praktisches Können mit viel theoretischem Wissen angereichert hat. Vor sechs Jahren heuerte er beim Kranbauer Vetter an, der rund 160 Mitarbeiter hat und letztes Jahr über 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete.

Keine Frage, Schulze hat Biss. Und ist bereit, sich zu quälen, um vorwärtszukommen. Er hat es in die Wiege gelegt bekommen, denn schon sein Vater gehörte in den 80er Jahren zu den ersten Mountainbikern in der Region. Der kleine Michéll fuhr mit sieben Jahren für seinen Heimatverein RSV Daadetal das erste Rennen und mit 16 seine erste deutsche Meisterschaft. Heute, mit 32, könnte er schon in der Seniorenklasse fahren. Er steigt fünfmal pro Woche für zwei bis drei Stunden aufs Rad – und erklimmt dabei 500 Höhenmeter pro Stunde!

345 Watt auf die Pedale bringen? Kein Problem!

Der Lohn der Mühen: Platz zwölf bei der legendären „Sellaronda Hero“ in Südtirol: 84 Kilometer und 4.400 Höhenmeter, Steigungen bis zu 32 Prozent. Das Ganze im Gebirge auf bis zu 2.500 Meter Höhe. Da wird die Luft dünn.

Schulze kann eine Stunde lang 345 Watt auf die Pedale bringen – also etwa dreimal so viel wie ein Alltagsradler. Tour-de-France-Sieger Christopher Froome schafft noch einmal 100 Watt mehr, bezogen auf den berühmt-berüchtigten Anstieg Alpe d’Huez. Mehr geht nicht, denn danach würden beide wie tot vom Rad fallen.

Die Abgrenzung zum Profisportler definiert Schulze, der sich beim Biken im Laufe der Jahre dreimal die linke und einmal die rechte Hand brach, so: „Der steigt schon morgens aufs Rad und geht nicht mehr zur Arbeit wie ich.“ Trotzdem entschied er sich schon während der Schulzeit gegen den Profisport und für den Beruf – und hat heute im Betrieb wie auf seinem Profi-Rad, mit dem er auch zur Arbeit fährt, viel Freude.

Parallelen zwischen beiden Welten sieht der Metallbau-Meister viele: „Im Sport wie im Beruf habe ich Ziele und stelle mich den Herausforderungen mit Disziplin.“ Na ja, und sowohl Schweißroboter als auch Bike-Computer wollen ja programmiert sein.

Sein Chef und Produktionsleiter Andree Habig hört’s gerne: „Wir unterstützen das sportliche Engagement und hoffen immer, dass er sich nicht verletzt.“ Und die Kollegen? Schulze: „Die sind sehr interessiert. Aber mal mit mir aufs Rad steigen, das wollen sie alle nicht.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Zum Metall bin ich durch meinen Vater gekommen. Der hatte Schlosser gelernt. Und ich dachte, das ist was Gutes.

Was reizt Sie am meisten?

Derzeit ist es der neue Schweißroboter, den wir zum Laufen gebracht haben und den ich nun bedienen kann. Ich liebe die Arbeit im Team, denn alleine geht hier nichts.

Worauf kommt es an?

Für mich ist es wichtig, praktisches Können und technisches Verständnis miteinander zu verbinden. Das ist die perfekte Kombination!


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