Tarifrunde 2016

Metall- und Elektro: Verhandlungen für 110.000 Beschäftigte in Niedersachsen

Hannover. Mehrere Hundert Gewerkschafter kamen mit Pauken, Posaunen und roten Fahnen der IG Metall. Die Arbeitgeber ließen Lithomobile anrollen: Fahrzeuge mit Schrifttafeln, die ihre Argumente transportierten. Auftakt der bundesweit ersten Verhandlungen zur Tarifrunde für die Metall- und Elektro-Industrie. Bei blauem Himmel und Sonnenschein stellten sich beide Seiten am Tagungsort, Parkhotel Kronsberg in Hannover, den Medien.

5 Prozent mehr Entgelt fordert die IG Metall, und legt dabei eine Inflationsrate von 2 Prozent zugrunde. Als „unbegründet und zu hoch“, weist der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall die Forderung zurück. Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt: „Der Inflationsrate der IG Metall von 2 Prozent steht eine wirkliche Inflationsrate nahe 0 Prozent gegenüber.“ Zudem ginge die Gewerkschaft von Produktivitätsgewinnen aus, „die wir gerne hätten. Die haben aber mit der betrieblichen Realität rein gar nichts zu tun.“

Torsten Muscharski, Verhandlungsführer für die rund 300 im Verband organisierten Betriebe mit 110.000 Beschäftigten, ergänzt: „Mit dieser Forderung leistet die IG Metall keinen Beitrag, um den Flächentarif in Niedersachsen zu stärken.“ Die einzelnen Unternehmen müssten „ausreichend Spielraum zur Differenzierung“ bekommen: „Es gibt schließlich gravierende Unterschiede in der wirtschaftlichen Lage.“

Es geht um Mehrkosten in Höhe von rund 300 Millionen Euro

Im Raum stehe eine Forderung von knapp 300 Millionen Euro Mehrkosten für die Betriebe, rechnet Hauptgeschäftsführer Schmidt vor: „Dieses Wünsch-dir-was-Denken ist abenteuerlich. Es spricht der schwierigen Lage unserer Betriebe Hohn.“ Die Löhne und Gehälter in der Metall- und Elektro-Industrie wurden allein in den zurückliegenden drei Jahren um 14 Prozent erhöht. Das brachte den Metallbeschäftigten im Land im Durchschnitt ein Lohnplus von mehr als 7.000 Euro im Jahr.

„Angesichts des internationalen Kostendrucks ist kein Raum für tarifliche Höhenflüge“, sagte Schmidt und verwies auf Personalausgaben, globale wirtschaftliche Rahmenbedingungen, unkalkulierbare Investitionsrisiken und „eine extrem durchwachsene Stimmung in den Unternehmen“.

Schmidt ermahnte die IG Metall, die hohe Forderung noch einmal zu überdenken: „Jeder Handwerker weiß: Nach fest kommt ab. Wem es also ernst ist mit der Erhöhung der Tarifbindung, dem muss auch an einem vernünftigen Abschluss gelegen sein, der keine abschreckende Wirkung hat, sondern der den Flächentarif wieder interessanter für die Unternehmen macht.“

Mit Blick auf die Arbeitsplätze in Niedersachsen sagte Verhandlungsführer Muscharski: „Gerade in der Metall- und Elektro-Industrie ziehen es immer mehr Unternehmen vor, im Ausland zu investieren, jedenfalls wenn es um Ausbau und Erweiterungen der Produktion geht.“ Das zentrale Motiv dafür seien „inzwischen wieder die Kosten an unserem Standort. Das müssen wir in dieser Tarifrunde dringend berücksichtigen.“


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