Tarifrunde 2016

Metall- und Elektro: In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wird jetzt verhandelt

Koblenz/Frankfurt. Bei Tarifverhandlungen ist es ein gewohntes Bild: Mit Trillerpfeifen, Fahnen und Transparenten wollen Mitglieder der Gewerkschaft IG Metall ihren Forderungen mehr Gewicht verleihen. So auch in diesem Jahr beim Auftakt der Tarifrunde der Tarifgemeinschaft M+E Mitte kürzlich in Koblenz.

Rund 1.400 Unternehmen mit über 400.000 Beschäftigten vertritt die Gemeinschaft als Zusammenschluss der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

14 Prozent mehr Entgelt in den letzten vier Jahren

Die Forderung der IG Metall nach 5 Prozent mehr Entgelt lehnte Thomas Brunn, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, gleich zu Beginn der Runde als „völlig unbegründet und nicht nachvollziehbar“ ab. Er zeigte wenig Verständnis für den „unrealistischen Höhenflug“.

Brunn: „Wenn die IG Metall die Unternehmen nicht in großem Stil zu beschleunigten Produktionsverlagerungen ins Ausland und aus der Tarifbindung treiben will, muss sie jetzt zu einer Tarifpolitik mit Augenmaß zurückkehren.“

In den letzten vier Jahren hätten die Arbeitnehmer, wenn man alle Entgeltsteigerungen zusammenzählt, 14 Prozent mehr bekommen, obwohl die Produktivität der Betriebe zeitgleich nur um 1,2 Prozent stieg. Schon der Abschluss 2015 sei über die Schmerzgrenze hinausgegangen. Brunn forderte die Gewerkschaft deshalb auf, endlich zu akzeptieren, dass die Firmen hier mit vielen verschiedenen Risikofaktoren zu kämpfen haben, die der Wettbewerbsfähigkeit schaden.

Dazu zählen die extrem hohen Arbeits-, Strom- und Bürokratiekosten. Und diese Kosten forderten Arbeitsplätze, wenn der scheinbare Aufschwung aus niedrigem Euro und Zinsen verflogen sei.

Der Verhandlungsführer: „Die Arbeitnehmer unserer Industrie müssen sich schon entscheiden, ob sie einige Male hohe Entgeltsteigerungen abschöpfen möchten oder mittel- und langfristig ihre heimischen Arbeitsplätze absichern wollen.“

Weiterverhandelt wird am 15. April in Darmstadt.


Alarmzeichen: Hohe Arbeitskosten und mangelnde Flexibilität bedrohen den Standort

  • 36,77 Euro kostete 2013 im Schnitt die Arbeitsstunde. So teuer ist Arbeit in keinem anderen großen Industrieland.
  • Der Anteil der Arbeitskosten bei den Unternehmen beträgt im Schnitt über 30 Prozent, wenn man korrekterweise die Personalkostenanteile in Vorprodukten einrechnet.
  • Für das Durchschnittsunternehmen kostet ein Produkt, das bei ansonsten gleichen Bedingungen hier für 1.000 Euro gefertigt wird, in Polen nur 755 Euro, bei gleicher Qualität.
  • Unternehmen müssen jeden Monat mit Auftragsschwankungen von plus oder minus 20 Prozent rechnen. Um das zu steuern, brauchen sie flexible Instrumente wie Zeitarbeit, Befristungen, Werkverträge und mehr.

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