Hightech-Textilien

Messen, senden, warnen: Was moderne Kleidung bald alles kann

Kaiserslautern. Diese Sportklamotten haben es in sich: Sie messen und überwachen mithilfe eingewebter Sensoren den Athleten – und wenn nötig, geben sie Alarm.

Solche Systeme werden zum Beispiel von Adidas angeboten. Die Firma hat im Vorfeld der Fußball-WM alle Spieler der Nationalmannschaft mit einem hautengen, ärmellosen Kompressionsshirt ausgestattet. Der Clou steckt in der Faser: Eingewebte Sensoren messen Vitalwerte wie die Herzfrequenz, aber auch Beschleunigung oder Schrittzahl – und bringen sie direkt, zwecks Auswertung, auf das Tablet von Teamchef Jogi Löw.

Mit dem trickreichen Shirt, das die Sportler unter dem Trikot tragen, trainieren auch Spieler aus Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Spanien und Japan.

„Textilien werden so zum virtuellen Trainer“, sagt Didier Stricker, Wissenschaftler am Deutschen Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz in Kaiserslautern. Im Kern funktioniert die Technik so: Extrem flache textile Kabel bilden die Datenleitung und verbinden Millimeter große Sensoren, die von ebenso winzigen Batterien angetrieben werden.

2018 könnten damit 6 Milliarden Euro umgesetzt werden

Die kleinen Spione im Dienste der Fitness kommen nicht nur in Sport-Shirts, Schienbeinschonern oder Fußball- und Laufschuhen zum Einsatz. Dort jedoch haben sie das größte Wachstumspotenzial. Laut einer Studie des US-Beratungsunternehmens Markets and Markets wird der Weltmarkt für solche „wearable Tech“ (tragbare Technologie) von heute 1,8 Milliarden Euro auf knapp 6 Milliarden im Jahr 2018 steigen.

Die Systeme lassen sich ebenso für Reha-Patienten einsetzen. Sie dokumentieren Übungen, die das Herz-Kreislauf-System wieder fit machen. Der Arzt kann die Daten schnell auswerten und so kontrollieren, ob die Übung richtig durchgeführt wurde.

Im Extremfall könnte die intelligente Kleidung sogar direkt Leben retten. Didier Strickers Kollegen vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik im württembergischen Denkendorf haben im Projekt „SensProCloth“ die Schutzkleidung von Feuerwehrleuten modifiziert. „In flache Kabelstränge eingebaute Textilsensoren erfassen beim Einsatz Daten über Schadgase, Umgebungstemperatur und die Vitalwerte der Retter“, erklärt Hansjürgen Horter, Koordinator des Projekts.

Und wenn die Werte in kritische Bereiche kommen, weil etwa die Umgebungstemperatur zu hoch ist oder der Rauch so dick, dass man die Orientierung verlieren könnte? Dann schaltet eine Warnampel am Arm der Jacke auf Rot. Das heißt: Rückzug. Denn es droht Gefahr für Leib und Leben.

Sensoren in der Kleidung – damit lassen sich auch noch ganz andere Dinge machen. Von der Berliner Modedesignerin Esther Zahn, die erst kürzlich ihr Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee abschloss, kommt der „Sounddress“: ein Kinderkleid, in das sechs Blumenaufnäher eingearbeitet sind. Bei Berührung machen sie elektronische Musik. Welche genau, lässt sich per Smartphone steuern.


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