Hightech-Produkt

Melaminharze von Ineos machen Autolacke kratzfest


Frankfurt. Glänzender Autolack sieht nicht nur schön aus. Er schützt auch die Karosserie. Möglich macht das die richtige Rezeptur der hauchdünnen Beschichtung.

„Erst mit Melaminharzen werden die Lacke hart, schlag- und kratzfest“, sagt Achim Völker, Leiter des Bereichs Lack-Technologie bei Ineos Melamines. Das Chemie-Unternehmen produziert in Frankfurt jährlich mehrere Zehntausend Tonnen von dem raffinierten Produkt. Von dort aus wird die Lösung rund um den Globus geliefert. Mitarbeiter wie Jürgen Simon (46) koordinieren die Befüllung der Tanklastzüge. „Seit 22 Jahren arbeite ich hier“, sagt der Industriemeister stolz und winkt schon den nächsten Kunden an die Abfüllanlage.

Die fast wasserklare Flüssigkeit besteht aus dem kristallinen Rohstoff Melamin und aus Formaldehyd. Das Besondere: „Melaminharze sind sogenannte 3-D-Vernetzer“, erklärt Chemiker Völker. Sie reagieren in der Lackrezeptur mit weiteren Harzen, wie zum Beispiel Polyesterharzen.

Unter Hitzezufuhr bildet sich so eine dreidimensionale, flexible und doch extrem widerstandsfähige Matrix: „Die blockiert alles, was den Lack beschädigen könnte: kleine Steinschläge, Schmutz, Hagel, auch das Eindringen von Wasser und UV-Strahlen“, so Völker. Dank Melaminharzen vergilben Klarlacke auch nicht bei hohen Temperaturen und viel Sonne.

Die Substanz schützt auch Geldscheine und Laminatböden

In jedem Auto wird etwa ein Kilogramm der chemischen Verbindung verarbeitet. Ineos zählt zuden führenden Herstellern von Lackharzen weltweit. Damit das so bleibt, hat das Unternehmen kürzlich am Standort mehr als 1 Million Euro in die Modernisierung von Anlagen investiert.

„Melaminharze sind zu maßgeschneiderten Hightech-Produkten gereift“, betont Vertriebsleiter Björn Bielesch. Vor allem der Trend zum Leichtbau mit dem zunehmenden Material-Mix an der Karosserie stellt die Forscher vor große Herausforderungen. „Lack verhält sich auf Metall ganz anders als auf Kunststoff“, beschreibt Bielesch das Problem. In der Herstellung müssen jedoch alle Systeme gleichzeitig funktionieren und harmonieren.

Übrigens: Wer kein Fahrzeug besitzt, kommt trotzdem täglich mit Produkten aus Melaminharzen in Kontakt. Sie stecken in der Beschichtung der Euro-Scheine. Dort vernetzen sie sich so raffiniert mit den Cellulose-Molekülen, dass sie das Papier vor Nässe schützen.

Imprägnier- oder Tränkharze wiederum verbessern Beschichtungen von Laminat-Fußböden, Holzverkleidungen und Arbeitsplatten für die Küche.

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