Dozentenmangel

Meisterschulen suchen Praktiker für den Unterricht

„Alter Hase“: Hans-Uwe Bock (71) unterrichtet noch. Foto: Privat

Leuna. Fachkräfte braucht das Land. Wer aber bildet die künftigen Industriemeister und Techniker aus, die sich neben ihrem Job weiterqualifizieren? „Wir suchen dringend Honorardozenten“, sagt Stephan Schönfeld, Leiter der Techniker- und Meisterschule in Leuna, Sachsen-Anhalt.

50 junge Leute starten jedes Jahr an dem Chemie-Traditionsstandort. Sie büffeln neben Formeln auch Informatik, Elektrotechnik, Elektronik, Wirtschafts- und Sozialkunde. Doch auch dem Bildungssektor macht der Fachkräftemangel zu schaffen – bundesweit: „Bei uns gibt es einen Mangel an Berufsschullehrern im Chemie- und noch mehr im Metall-Bereich“, sagt etwa Bernd Brucker vom Westfälischen Arbeitgeberverband für die chemische Industrie. Diesen Trend bestätigt Jana Scheunemann, verantwortlich für Bildungspolitik beim Verband Nordostchemie: „Wir stärken deshalb die Qualifizierung der vorhandenen Lehrkräfte.“

Woran liegt’s? „Einmal sind es übertriebene gesetzliche Vorschriften zur Qualifikation der Dozenten, die eine Einstellung behindern“, sagt Leunas Schulleiter Schönfeld. Oder es fehle einfach an Bewerbern. Noch ist keine Lehrveranstaltung ausgefallen: „Aber manchmal wird es eng.“

Um das zu verhindern, sucht Schönfeld Fachhochschul- und Hochschulingenieure, Praktiker mit einem Sinn fürs Erklären – die sind für ihn erste Wahl. Aktive Fachleute oder Spezialisten im Ruhestand, die ihre Erfahrungen gerne weitergeben. Die Wissen anschaulich und geduldig den lernwilligen jungen Leuten vermitteln können. Gerade mit „alten Hasen“ hat Schönfeld die besten Erfahrungen.

Dazu zählt Ingenieur Hans-Uwe Bock (71). Der Spezialist für Automatisierung im Ruhestand lehrt seit knapp zehn Jahren die Grundlagen der Elektrotechnik, Regelungs- und Prozessleittechnik. „Es macht Spaß, die eigenen Erfahrungen weiterzugeben, es hält einen selber fit und auf dem Stand der Technik“, sagt er. Und er denke nicht ans Aufhören: „Es spornt an, noch nützlich zu sein, etwas für die Jugend, für meine Branche tun zu können.“

Weitere Infos: www.bal.de


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