Werkstoffe

Mehr Kunststoff, weniger Blech


BASF profitiert von einer Zeitenwende im Automobilbau

Rudolstadt/Leuna. Was haben Kraftstofftanks, Stoßfänger, Gas- und Bremspedale und viele andere Teile in modernen Autos gemeinsam? Sie bestehen aus Kunststoff.

Er macht in einem Pkw europäischer Produktion inzwischen durchschnittlich 15 Prozent des Gewichts aus.

Und: In zehn Jahren wird der Kunststoff-Anteil schon bei 25 Prozent liegen! Das sagen Experten der BASF. Der Chemie-Konzern aus Ludwigshafen, der Ende Oktober den 20. Jahrestag seiner Rückkehr nach Ostdeutschland feierte, sieht im Kunststoff-Geschäft deshalb gute Wachstumschancen.

Nicht nur am größten Ost-Standort Schwarzheide (Brandenburg), wo 1.800 Mitarbeiter neben Fungiziden auch viele für das Auto relevante Produkte herstellen, etwa Wasserbasislacke, Schaumstoffe und andere Kunststoffe wie Polyurethane und Styrolcopolymere – sondern auch in Rudolstadt (Thüringen) und Leuna (Sachsen-Anhalt).

Maßgeschneidert für die Kunden

AKTIV besuchte diese beiden anderen, weniger bekannten BASF-Standorte im Osten. Auch sie sind für die Auto-Industrie hochinteressant: Sie sind darauf spezialisiert, aus dem Basispolymer „Polyamid 6“ ganz spezielle technische Kunststoffe zu produzieren. „In der Fachsprache nennt sich das Compoundieren“, erklärt Manfred Heckmann, der an beiden Standorten als Geschäftsführer fungiert.

Wie das geht, führt bei der BASF Performance Polymers Rudolstadt der Anlagenfahrer Rüdiger Käsler vor: „Wir geben dem Polyamid Zusatzstoffe bei, die Eigenschaften wie Härte, Bruchfestigkeit und Farbe festlegen.“ Auf den ersten Blick wähnt man sich in einer Pasta-Fertigung: Aus den Anlagen quellen spaghetti-ähnliche Schnüre, tauchen ab in ein Wasserbad, werden zerschnitten – und landen in einem Gefäß, das wie ein Kochtopf aussieht.

„Damit sich alle Bestandteile gut verteilen, wird die Mischung aufgeschmolzen und in lange Stränge gepresst“, erläutert Käsler. „Nach ihrer Abkühlung werden sie zu Granulat verarbeitet.“ Geschäftsführer Heckmann ergänzt: „Indem wir die Zugaben variieren, erhält der Kunststoff genau die Eigenschaften, die der Kunde braucht.“ Er müsse ihn nur noch verarbeiten, etwa zu Ansaugrohren fürs Auto.

Derzeit wird hier auch noch der Ausgangsstoff produziert, doch wird dies im Dezember eingestellt. Für die 58 Betroffenen seien „maßgeschneiderte individuelle Lösungen“ gefunden, so Heckmann, keiner werde arbeitslos. Die gut 100 verbleibenden Mitarbeiter können das ganze BASF-Spektrum an technischen Kunststoffen fertigen.

Compoundieren ist auch das Geschäft der BASF Leuna (rund 100 Mitarbeiter). „Wir produzieren etwa den Kunststoff Miramid, der dort in den 90er-Jahren entwickelt wurde“, berichtet Anlagenfahrer Eckard Tyroff. Miramid zeichnet sich besonders durch brillante Farben und Langlebigkeit aus, er lässt sich auch in kleineren Mengen effizient herstellen. Er wird nun in das größere Ultramid-Sortiment der BASF integriert.

 

Schon gewusst?

So fest kann Kunststoff werden

Kunststoffe können nach entsprechender Verarbeitung mindestens genauso fest sein wie Stahl. Denn als Werkstoff etwa für die Automobil-Industrie werden sie verstärkt und kombiniert.

Der Faser-Kunststoff-Verbund ist wie ein Sandwich aus mehreren Lagen aufgebaut. Einige sind mit Glas- oder Kohlenstoff-Fasern versetzt, mitunter gibt es auch dünne Metallschichten. Daraus entstehen mittlerweile nicht nur Bremspedale, sondern auch Flugzeugrümpfe und sogar Rahmen für Auto-Karosserien.

UR

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