Familienfreundlich

Mehr Flexibilität fürs Privatleben


Wie Unternehmen Eltern unterstützen

Amstetten. Schichtarbeit und Familie – das ist Stoff für Konflikte. Wie lässt sich die Arbeit mit privaten Belangen am besten vereinbaren? Über diese Frage haben sich Führungskräfte und Mitarbeiter bei Heidelberger Dru­ck­maschinen in Amstetten Gedanken gemacht. Das Ergebnis: 88 Maßnahmen, die das Unternehmen nach und nach umsetzt.

Es ist laut und heiß, in der Gießerei und der mechanischen Bearbeitung entstehen Seitenteile und Zylinder für große Druckmaschinen. Die Beschäftigten arbeiten in zwei Schichten. Doch ihre Einsatzpläne sind nicht mehr so starr wie früher: Unter anderem halten Gleitzeit und Teilzeit Einzug. So kann beispielsweise Susanne Mühl früher gehen, um ihr Kind von der Schule abzuholen.

Mehr Hilfe für pflegende Angehörige

Von den Maßnahmen profitieren nicht nur die 1.100 Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen, erklärt Standort-Personalchef Bernd Huss: „Wenn wir unseren Mitarbeitern die Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen erleichtern, motiviert sie das“, sagt er. „Und es macht uns zu einem attraktiveren Arbeitgeber.“

Damit reagiert der Maschinenhersteller auf die demografische Entwicklung. Im Jahr 2020 werden im Südwesten nach Berechnungen der Industrie- und Handelskammern bereits 400.000 Leute aller Qualifikationen fehlen. Weil der Altersdurchschnitt steigt, wird sich automatisch auch die Zahl derer, die neben ihrem Beruf Angehörige pflegen, erhöhen.

Personalreferent Jens Curr­le ist in der Fabrik verantwortlich für das Projekt zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit. Er sagt: „Die Zahlen zum Fachkräftemangel haben uns veranlasst, uns intensiver mit dem Thema zu befassen.“

Der Betrieb hat schon vor einigen Jahren die ersten Maßnahmen getroffen und wurde 2009 von der Hertie-Stiftung als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert. Denn es arbeitet unter anderem mit zwei Kindergärten zusammen, organisiert Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder, bietet Teilzeitmodelle an. In der Schlosserei etwa arbeitet ein Mitarbeiter in Teilzeit, damit er sich um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern kann.

Den Frauenanteil erhöhen

Das Projekt wurde gezielt in Amstetten gestartet, weil der Standort besonders typisch ist für Produktionsbetriebe. Jetzt kommen laufend Maßnahmen dazu, über die sich die Mitarbeiter in Workshops Gedanken gemacht haben. Zum Beispiel vereinbaren die Beschäftigten an der Lackieranlage jetzt untereinander, wer wann welchen Arbeitsplatz besetzt. Geplant sind auch eine Eltern-Beratungsstelle, weitere Teilzeitangebote und Lebensarbeitszeitkonten.

Noch sind 93 Prozent der Mitarbeiter Männer, aber die Arbeitsplätze sollen für Frauen interessanter werden. Und egal, ob für Mann oder Frau: Die Schichtarbeit ist immer weniger ein Zündstoff für Konflikte.

Joachim Sigel

Tagesstätte in Werknähe

Der Sensor-Hersteller Balluff aus Neuhausen auf den Fildern bietet Müttern und Vätern unter anderem Belegplätze im Kinderhort „Nesthäkchen“ ganz in der Nähe. Bereits im Jahr 2007 hatte sich das Unternehmen mit dem örtlichen Verein „Kinder- und Elternzentrum“ und der Gemeinde zusammengetan, um die Tagesstätte ins Leben zu rufen. Die junge Mutter Constanze Neurath findet diese Lösung prima. Sie erzählt: „Ich habe mich auch deshalb für ein Kind entschieden, weil es dieses Angebot gibt.“

Ferienbetreuung für Mitarbeiter-Kinder

W ohin mit den Kleinen, wenn Schulferien sind? Ein extra Programm gibt es nicht nur bei Heidelberger Druckmaschinen in Amstetten. In Waiblingen beispielsweise bieten Motorsägen-Hersteller Stihl und Bosch für Mitarbeiter-Kinder gemeinsam Bastel- und Spielaktionen mit Verpflegung an. Dauer: Insgesamt drei Wochen. Stihl hat auch einen „Familienservice“ eingerichtet. Der vermittelt Betreuungslösungen, auch für pflegebedürftige Angehörige.

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