Arbeitsmarkt

Mehr Chancen für alle


Warum Unternehmen das Instrument Zeitarbeit nutzen

Freiburg/Müllheim/Ditzingen. Die Branche boomt: Im März waren laut zuständigem Arbeitgeberverband BZA 24 Prozent mehr Zeitarbeiter beschäftigt als ein Jahr zuvor. In nur einem Jahr 138.000 neue Jobs! Manche sehen das mit Vorbehalten: Geht das auf Kosten der Stammbelegschaften? Ein Blick in Betriebe aus der Region vermittelt einen anderen Eindruck.

Die Zeitarbeitsfirma Contempo Personal GmbH in Freiburg (300 Mitarbeiter) war vom Auftragseinbruch stark betroffen, denn sie vermittelt vor allem gewerbliches Personal. „Dafür zieht unser Geschäft jetzt umso kräftiger an“, freut sich Harald Koch, der Geschäftsführer. Die Auslastung sei so gut wie vor der Krise. Seine Leute werden auch wieder häufiger übernommen: Jeder Zehnte landet in einer Festanstellung.

Nur wenige Kilometer weiter, in Müllheim, sitzt die Firma Neoperl. Sie fertigt mit 260 festen Mitarbeitern Zulieferteile für die Sanitärarmaturen-Industrie. An Bord sind derzeit auch 50 Zeitarbeiter.

In drei Jahren 30 Leute übernommen

Die meisten der von diesem Betrieb engagierten Zeitarbeiter erledigen zwei Großaufträge für einen Sanitärhändler, die noch im Juni fertig sein müssen. Sie verpacken Ersatzteilsets für Armaturen und montieren Duschschläuche.

Neoperl-Personalleiter Leonhard Hein: „Es wäre nicht sinnvoll, für derart befristete Aufträge die Stammbelegschaft zu erhöhen.“ Erst wenn aus unregelmäßigen Aufträgen ein stetiges Geschäft wird, stellt er fest ein. Dafür bilden Zeitarbeiter eine ideale Basis: Es gebe keine bessere Gelegenheit, sich kennenzulernen, meint Hein. Er hat in den letzten drei Jahren 30 Zeitarbeiter übernommen.

Ob Zeitarbeiter billigere Arbeitskräfte sind, das lasse sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten: „Fachkräfte vergleichbarer Qualifikation kosten uns annähernd das gleiche Geld“, berichtet Hein. „Egal ob sie nun bei uns angestellt sind oder von einem Zeitarbeitsunternehmen kommen.“ Dagegen gebe es bei Hilfskräften für Anlerntätigkeiten noch Kostenvorteile. Diese würden allerdings helfen, solche Arbeiten überhaupt am Standort zu halten.

Erst eigene Kapazitäten ausschöpfen

Es gibt auch Firmen, die derzeit kaum Zeitarbeiter brauchen. Wie der Maschinenbauer Trumpf im schwäbischen Ditzingen: Am Stammsitz arbeiten 2.200 fest  Beschäftigte. Bis Ende 2008 hatte das weltweit führende Unternehmen der Fertigungs- und Medizintechnik auch 100 Zeitarbeitskräfte.

Inzwischen sind es nur noch 10 Zeitarbeiter: Spezialisten, die schwer zu bekommen sind. Trumpf-Geschäftsführer Gerhard Rübling: „Ansonsten setzen wir Zeitarbeiter ein, um Auftragsspitzen abzudecken.“ Zuvor würden die eigenen flexiblen Kapazitäten ausgeschöpft.

Die Krise bescherte dem Unternehmen 2009 einen Auftragsrückgang um 35 Prozent. Teile der Mannschaft arbeiten noch kurz. „Wir wachsen wieder“, so Rübling. Es werde aber eine Weile dauern, ehe das Unternehmen wieder Zeitarbeiter einstellt.


Übrigens ...

Auch hier gibt’s Kündigungsschutz

Z eitarbeiter haben normale Arbeitsverträge – unter anderem mit Sozialleistungen, bezahltem Urlaub und gesetzlichem Kündigungsschutz. Ihre Rechte sind im „Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz“ festgeschrieben.

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