Marktführer

Maxi und das Geheimnis der Windel-Ohren


Die fränkische Firma Koester produziert rund um die Uhr – und schirmt ihr Know-how streng ab

Altendorf. Der kleine Maximilian strahlt – und gluckst vor guter Laune: Das Bäuchlein ist voll, der Po trocken, das Spielzeug in Reichweite – und die Windel sitzt richtig bequem.

Und darauf kommt es hier an! Ist Maxi rundum zufrieden, freut das nicht nur seine Eltern: Der Wonneproppen ist eines von 100 Babys und Kleinkindern, die Windeln testen – für die Firma Koester im fränkischen Altendorf.

Damit ist der kleine Wicht fast schon ein Geheimnisträger. Könnte er schon sprechen, würde er vielleicht sogar zur Verschwiegenheit verpflichtet. Denn das Know-how wird bei Koester streng geschützt – besonders, wenn es um die Windel geht. Oder vielmehr: um das Windel-Ohr. So heißt das äußerst flexible breite Seitenteil, das das schmale Klebeband längst ersetzt hat.

Seit mehr als 30 Jahren entwickelt und produziert Koester selbstklebende und klett-fähige Verschlüsse für Baby- und Inkontinenzwindeln. Zudem werden Klebebänder für hygienische, medizinische und technische Anwendungen hergestellt.

Weltweit führend

Den größten Teil des Umsatzes erzielt jedoch allein der Bereich Babywindeln: In diesem sehr speziellen Geschäft zählt der mittelständische Zulieferer, der zur Lohmann-Gruppe (Neuwied) gehört, nach eigenen Angaben zu den führenden Firmen weltweit.

Die 400 Mitarbeiter, darunter auch Zeitarbeitskräfte, erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 70 Millionen Euro Umsatz; die Exportquote liegt bei 80 Prozent.

Die meisten Maschinen sind  Eigenkonstruktionen – nur einzelne Komponenten werden beim Maschinenbau in Auftrag gegeben. Die kompletten Anlagen stellen dann die eigenen Ingenieure zusammen und bringen sie ans Laufen. „Das Know-how und die hohe Kunst der Programmierung bleiben damit bei uns“, sagt Koester-Geschäftsführer Stefan Hofmann.

Produziert wird rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche. „Bei unserem preisaggressiven Markt, der vor allem von den Discount-Supermärkten bestimmt wird, hätten wir am Produktionsstandort Deutschland sonst gar keine Chance.“

Extrem dehnfähig

Neben dem Stammhaus in Altendorf (Kreis Bamberg) gibt es seit einigen Jahren noch einen Tochterbetrieb in Mexiko. „Er hilft uns, den Markt in Nord- und Südamerika zu erobern“, erläutert Hofmann, „alle anderen Kontinente werden von Deutschland aus bedient.“

Weltweit gibt es relativ wenige Windelhersteller. Der Marktführer wird zwar nicht von Koester beliefert – „aber viele seiner Wettbewerber setzen auf unsere Verschluss-Systeme“, betont Hofmann.

In der Entwicklungsabteilung arbeiten 20 Ingenieure an der Fortentwicklung der Produkte – und an den passenden Produktionsmaschinen.

Die Zeiten, als ein dünner Klebestreifen scheuerte oder gar die Windel beim Öffnen zerfetzte, sind lange vorbei. Heute schmiegt sich zartes, extrem dehnfähiges Vlies rund um die Baby-Beinchen.

Eine Windel muss perfekt sitzen, bequem sein, jeder Bewegung folgen – und auch mit schwerem Inhalt nicht verrutschen. Das alles gelingt mit dem Windel-Ohr: Weiches Vlies wird auf den selbst konstruierten Maschinen mit einem elastischen Spezialfilm verbunden und erhält so eine ungeheure Elastizität. Wie das technisch genau abläuft, ist allerdings ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Das man nicht einmal dem knuffigen Maxi verraten würde.

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