Familienbetriebe

Materialien mit viel Grips


Standort Ostdeutschland: Wie sich Kunex als Kunststoffverarbeiter behauptet

Chemnitz. Als Kind wühlte Romy Döhler (35) gerne in buntem Granulat. In einem kunststoffverarbeitenden Betrieb. Ihr Vater Gerolf war der Produktionsleiter.

Inzwischen spielt sie hier nicht mehr, sie führt. Im April übernahm sie bei Kunex in Chemnitz den Chefposten, zusammen mit ihrem Bruder Raik. Der Familie gehört der Betrieb schon seit dem Jahr 2002 – der Vater kaufte ihn in einem „Management-Buy-out“ zwei baden-württembergischen Mittelständlern ab. „Die Entscheidung ist damals nicht schwer gefallen“, berichtet die Betriebswirtin Döhler. Schließlich habe Kunststoff Zukunft: „Vor 20 Jahren steckten in einem Auto 15 Kilo, heute sind es 150 Kilo. Diesen Trend gibt es auch in anderen Branchen, etwa der Bauindustrie.“

Das Zauberwort heißt „Cluster“

Das ist die Kunstoffverarbeitung in Ostdeutschland: mittelständisch, oft familiär – und trotzdem mit glänzenden Perspektiven. 555 Firmen zählt die Statistik, insgesamt 43.000 Arbeitsplätze. Aber: Wie schafft es die Branche, angesichts des globalen Standortwettbewerbs die Produktion vor Ort zu halten?

Die Antwort lautet: indem sie ständig Neues entwickelt. Gemeinsam mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region. So hat Kunex nicht nur eine eigene Entwicklungsabteilung (und sogar einen eigenen Werkzeugbau), sondern ist auch Mitglied in verschiedenen Kunststoff-Netzwerken, die alle zum „Cluster Chemie/ Kunststoffe Mitteldeutschland“ gehören. Mit dabei sind auch die beiden Einrichtungen, um die es unten auf dieser Seite geht.

Eigenschaften nach Kundenwunsch

Ein Drittel dessen, was die 65 Kunex-Mitarbeiter in Chemnitz produzieren, geht in den Export. Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Kunststoffprofilen spezialisiert, zum Beispiel Fugenbänder und Ausbauprofile für die Bauwirtschaft.

Produziert werden die Teile in sogenannten Extrudern: Das fertig gemischte Kunststoff-Granulat (im Fachjargon: „Compound“) wird von einer Schnecke durch die Maschine gepresst und erwärmt. Dann muss es durch das Werkzeug, wo es die richtige Form erhält. Kühlung, meist mit Wasser, verfestigt den Kunststoff.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. „Je nach den geforderten Eigenschaften des Produkts müssen wir das passende Material auswählen oder selbst mischen“, erklärt Döhler. „Im Wettbewerb setzt sich nur durch, wer Qualität mit steter Produktverbesserung kombiniert.“

Uwe Rempe

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