Marktführer

Maßgeschneidertes für starke Stoffe


Maschinen von Monforts laufen weltweit – auch für Edelmarken wie Lacoste

 

 

Mönchengladbach. Heute schon gekrumpft? Ach, nie was davon gehört? Hauptsache, die Mitarbeiter von Monforts, dem weltweiten Technologieführer für Textilveredlungsmaschinen, wissen, worum es geht. Nur so viel vorweg: Ohne Krumpfen kämen Textilien schnell aus der Form.

 

 

 

Anlagen des Mönchengladbacher Unternehmens sind für viele Alltagsprodukte unverzichtbar. „Wir sorgen dafür, dass die Jeans beim Waschen nicht einläuft und das Wasser von der Regenjacke abperlt“, erklärt Prokurist und Marketingleiter Klaus Heinrichs (56). „Und unsere Anlagen machen das Hemd oder die Bluse bügel-, kratz- und müffelfrei.“ Es gebe weltweit kein Kleidungsstück, das nicht irgendwann in der Produktion eine Montforts-Maschine gesehen hat.

 

 

 

Die Erfolgsstory begann mit einer Kopie

 

 

 

Trocknungsaggregate, Anlagen zum Färben, fürs Aufbringen von Pasten und zum Richten von Stoffen – lang ist die Liste der riesigen Gerätschaften, die maßgeschneidert für Kunden wie Benetton, Lacoste und Trigema entworfen und gebaut werden.

 

 

 

Bei Textilien denkt man meist nur an Bekleidung. Doch auf den Monforts-Maschinen entstehen auch Gewebe, mit denen Heidi Klums Models nichts zur Schau stellen: Lkw-Planen, Pflaster, Blendschutz-Lamellen, Kino-Leinwände, OP-Tücher und auch das Gewebe für Airbags.

 

 

 

Monforts ist eine Firma mit langer Tradition: Sie wurde 1884 von August Monforts gegründet. Schon am Anfang war da der Wille, Dinge besser zu machen als andere. So kopierte der Gründer eine englische Maschine zum Aufrauen von Stoffen (damals das Maß aller Dinge) und verbesserte sie, indem er Gleitlager durch Kugellager ersetzte. Er zeigte das gute Teil 1893 auf der Weltausstellung in ­Chicago – und erhielt eine Auszeichnung.

 

 

 

 

 

 

 

Das Unternehmen, seit fünf Jahren unter dem Dach der Lübecker Possehl-Gruppe, hat 930 Mitarbeiter, 720 davon in einem Joint Venture im chinesischen Buji. Am Stammsitz Mönchengladbach sind es 150 Mitarbeiter und in St. Stefan in Kärnten 60. Der Umsatz der beiden europäischen Standorte erreichte letztes Jahr 70 Millionen Euro.

 

 

 

Heinrichs sieht seine Branche als eine Art wirtschaftlichen Frühindikator: „Wir haben die heraufziehende Krise bereits Anfang 2007 bemerkt.“ Aus Erfahrung weiß er, dass die anderen Branchen folgen bei der konjunkturellen Berg- und Talfahrt.

 

 

 

Und wie sieht die Zukunft aus? Heinrichs: „Für uns kühlt sich die Konjunktur seit vier Monaten ab.“ Dabei sei die Lage nach wie vor gut.

 

 

 

 

 

 

 

Bis vor wenigen Jahren hätten die deutschen Hersteller wie Monforts auf dem Weltmarkt eine Sonderstellung gehabt, „Made in Germany“ verkaufte sich fast von allein. Doch jetzt drängen immer mehr die – nur zu oft kopierenden – Wettbewerber aus der Türkei und China auf den Weltmarkt.

 

 

 

Der Trick mit dem Krumpfen

 

 

 

Die Gegenstrategie, so Heinrichs: „Wir müssen unseren Fortschritt weiter ausbauen. Derzeit liegt der Fokus auf dem Energiesparen. Ein Beispiel sind Trocknungsmaschinen mit integrierter Wärmerückgewinnung.“

 

 

 

Bevor wir am Ende den Faden verlieren, müssen wir das mit dem Krumpfen noch klären: Eigentlich heißt es kompressives Krumpfen. Darunter versteht der Fachmann das Stauchen des Stoffes.

 

 

 

 

 

 

 

Heinrichs erklärt’s für den Laien: „Es nimmt das Einlaufen vorweg. Damit die Jeans nach der ersten Wäsche nicht gleich Hochwasser hat.“

 

 

 

 

 

Info: Blauer Montag

 

 

Monforts produziert auch Färbemaschinen. Und aus der Welt der Färber kommt der Begriff „blaumachen“. Zur Blaufärberei benötigte man früher einen Bottich, zwei Wochen Sonnenschein, Waidblätter als Färbemittel und als Gärmittel Urin von Männern, die viel Alkohol getrunken hatten. Lagen die Färbergesellen montags nach durchzechtem Wochenende betrunken bei den Bottichen, wusste man, dass die Färber mal wieder „blau­machten“. Davon stammt auch der Begriff „blauer Montag“.

 

 

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