Technische Textilien

Maßanzüge für Maschinen


Heimbach beliefert Papierfabriken in aller Welt

Düren. Weben im 21. Jahrhun-dert – das geht so schnell, dass man mit bloßem Auge nichts mehr erkennen kann. Anders bei dieser Heimbach-Webmaschine: Gemütlich zieht da ein ganz klassischer Hohlraumschütze seine Bahn. Schneller geht es kaum. „Es sind gerade mehr als 90.000 Kettfäden“, erklärt der Maschinenführer Frank Zilken. 90.000? Kein Tippfehler – denn diese Webmaschine misst 20 Meter. Ungewöhnlich große Anlagen sind bei Heimbach allerdings der Normalfall.

Das bringt das wichtigste Produkt mit sich: textile Bespannungen für die ja ebenfalls ziemlich großen Maschinen, mit denen Papier hergestellt wird. In Düren werden zum Beispiel sogenannte Pressenfilze fabriziert – 1.100 Tonnen pro Jahr. „Diese Filze entwässern die Papierbahnen und transportieren sie zugleich weiter“, erklärt Geschäftsbereichsleiter Manfred Crefeld, „ein Filz hält vier bis zwölf Wochen.“

Als Ersatz liefert Heimbach nicht etwa einfach Standard-Rollenware nach. „Wir haben mehr als 5.000 Produkte, jedes für eine ganz bestimmte Position in einer speziellen Papiermaschine irgendwo auf dieser Welt“, betont Klaus Huneke, seit Jahresanfang Chef der Heimbach-Gruppe, „wir machen also Maßanzüge für die Papierindustrie.“

Und das mit Know-how, das sich über viele Generationen angesammelt hat: Schon im

19. Jahrhundert war die Firma Filz-Lieferant für die seinerzeit aufblühenden Papierfabriken an der Rur. Heute sind in jeder zweiten Papiermaschine Heimbach-Produkte zu finden.

Werk in China für 40 Millionen Euro

Ein lohnendes Geschäft. „Normale Investitionen können wir ohne Kredite bezahlen“, bestätigt Huneke. Normal war zum Beispiel der Kauf eines neuen großen „Filzbügeleisens“ namens Thermofixierkalander für 6,5 Millionen Euro. In solchen Größenordnungen ist in den letzten Jahren immer mal wieder in den Maschinenpark investiert worden.

Ungewöhnlich ist dagegen der ganz große Sprung, den die Traditionsfirma jetzt wagt: Heimbach zieht im chinesischen Suzhou eine neue Produktionsstätte hoch, um asiatische Papierhersteller zu beliefern. „Im Lauf der Jahre investieren wir dort 40 Millionen Euro“, sagt Huneke. Ohne Angst vor Produktpiraten. „Das Know-how bleibt bei uns“, betont der Heimbach-Chef, „und Innovation ist ja einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren.“

Für Forschung und Entwicklung gibt die Firma 4 Prozent vom Umsatz aus. Erkenntnisse der Dürener Tüftler erlauben den Kunden, effizienter zu produzieren: Wie schnell, wie energiesparend und nicht zuletzt wie fehlerfrei eine Papiermaschine läuft, hängt ja auch von der Bespannung ab.

Doch in diesem sehr speziellen Markt tummeln sich auch einige starke Konkurrenten. Rasantes Wachstum im Stammgeschäft ist daher laut Huneke bei allem Erfindungsreichtum nicht mehr zu erwarten: „Der Markt in Europa und Nordamerika ist eher gesättigt.“ Also steuert das Unternehmen vorsichtig um. Heute bringt das Geschäft mit den Papierfabriken 85 Prozent vom Umsatz, 2020 sollen es nur noch 70 Prozent sein.

An Bedeutung gewinnen sollen dagegen die beiden anderen Geschäftsfelder: die Filtration einerseits, andererseits diverse andere „Technische Textilien“. Und damit das schnell geht, wird kräftig eingekauft. Ein Beispiel: Im Vorjahr schluckten die Dürener die britische Textilfirma Marathon Belting. Damit wurde Heimbach nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei „Presspolstern“ für die holzverarbeitende Industrie.

Treue Belegschaft am Stammsitz

Insgesamt sind unter dem Heimbach-Dach nun zwölf Ge-sellschaften versammelt – mit insgesamt 1.600 Beschäftigten. Am Stammsitz Düren zählt die Belegschaft 740 Köpfe. Und sie ist treu: Im Schnitt bleibt ein Mitarbeiter 17 Jahre. „Wer einmal zu Heimbach kommt, verlässt uns kaum“, weiß Huneke, „viele Mitarbeiter sind in vierter Generation im Betrieb.“

Die Eigentümer zeigen sich übrigens ebenfalls sehr tradi-tionsbewusst: Alle Anteile ge-hören nach wie vor den diversen Nachkommen des Firmengründers.

Thomas Hofinger

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