Tonnenschwere Riesen mit dicken Pranken

Maschinenbau extrem: Manipulatoren von Dango & Dienenthal bewegen gewaltige Gewichte

Siegen. Die Holzpalette knirscht gewaltig, als der in großer Höhe befestigte Kran das gelb lackierte Maschinenteil seitlich anhebt und es langsam vom Boden löst. „Um die 14 Tonnen wiegt allein dieses Teil“, sagt Nikolas Kettner, der zusammen mit Peter Rindt den Kran vom Boden aus fernsteuert.

Das gelbe Teil ist Bestandteil eines großen Manipulators, der in der Werkhalle von Dango & Dienenthal in Siegen zusammengebaut wird. Manipulatoren? Ja, so heißen die kraftstrotzenden Maschinen mit den Greifzangen, die in Stahlhütten und anderen Betrieben der Metall-Industrie gigantische, teils glühend heiße Werkstücke bewegen. Das Unternehmen ist bei diesen urtümlichen Maschinen Weltmarktführer.

Sie werden vor allem an Hochleistungs-Schmiedepressen eingesetzt und sind das augenfällige Herzstück der Produktion des 150 Jahre alten Unternehmens.

Ein Familienunternehmen – und das sogar im doppelten Sinne

Insgesamt arbeiten mehr als 430 Menschen weltweit für die Unternehmensgruppe, die sich mit Fug und Recht Traditionsfirma nennen darf. 1865 wurde es von den Facharbeitern August Dango und Louis Dienenthal gegründet, heute leiten es Rainer Dango und Arno Dienenthal – auch in der fünften Generation ist jeweils ein Vertreter der nicht miteinander verwandten Eignerfamilien Geschäftsführer.

Aus der „Gelbgießerei“, einer Gießerei für Nichteisenmetallprodukte, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr ein Maschinenbau-Unternehmen, das seit 1936 die riesigen Schmiedemanipulatoren produziert.

Diese Maschinen, die mehrere 100 Tonnen auf die Waage bringen, sind vor allem in China, Korea und Japan, aber auch in Norditalien im Einsatz – überall, wo es eine traditionsreiche Stahl-Industrie gibt. „Die Exportquote liegt bei 70 bis 80 Prozent“, sagt Arno Dienenthal, der 2003 ins Unternehmen einstieg und seit 2009 Co-Geschäftsführer ist.

Gewaltige Kraft ist das Hauptmerkmal der Produkte, die hier mitten in Siegen entstehen. Selbst der kleinste Transport-Manipulator, in etwa so groß wie ein Auto, kann zwei Tonnen schwere Werkstücke tragen.

Entsprechend massiv sind die Produktionswerkzeuge. Um sie kümmert sich Klaus Klappert: Sogar Bohraufsätze von der Größe einer Weinflasche lassen sich mit einer Hand kaum anheben.

Für den Werkzeugmacher ist die Fabrik ein Teil seines Lebens. Schon der Großvater hat hier gearbeitet, der Vater auch, er selbst ist nun seit 36 Jahren hier – und Sohn Simon schon 11 Jahre. Für Klappert ist es ganz normal, dass der Sohn ein paar Meter entfernt arbeitet: „Wir haben eine intakte Familie, da funktioniert das gut!“

Um ein intaktes Unternehmen zu bleiben, muss die Firma sich auch gegen die Billig-Konkurrenz wehren. „Die chinesischen Kopierbuden bieten die Maschinen teils zu 30 Prozent unseres Preises an, aber in extrem schlechter Qualität“, berichtet Arno Dienenthal. Technische Perfektion und hohe Zuverlässigkeit sind heute noch entscheidende Argumente für die Produkte aus Siegen, meint er. „Künftig wird man aber mehr Wert auf die Kunst des Verkaufens selbst legen müssen.“

Mit ihm und Rainer Dango leiten derzeit zwei Ingenieure das Unternehmen. Vielleicht wird eine von Dienenthals Töchtern ja tatsächlich mal die sechste Generation an der Spitze sein. Die Antwort auf diese Frage wird aber noch auf sich warten lassen, schließlich sind die beiden erst drei und fünf Jahre alt.


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