Weltmarktführer

Maschinen von Bäumer schneiden Schaumstoff messerscharf


Freudenberg. Wabbelig, biegsam wie ein Spülschwamm und etwa so leicht zu bewegen wie ein schlafender Elefant. Solche Eigenschaften haben Schaumstoffmatten. Und wie bitte soll man zum Beispiel ein fünf Zentimeter dickes und drei Meter langes Exemplar in 50 gleichmäßige, nur einen Millimeter dünne Platten schneiden?

Vorarbeiter Andreas Schmidt schmunzelt, denn „seine“ Maschine kann das. Schmidt arbeitet bei Albrecht Bäumer, dem Weltmarktführer bei Schneidmaschinen für Polyurethan-Produkte. Und praktisch alle Anlagen, die das Werk im siegerländischen Freudenberg verlassen, sind Maß-Anfertigungen. Sie kommen vor allem in der Möbel-, Matratzen- und Auto-Industrie zum Einsatz.

Bunte Mischung in der Führungsriege

Die Firma Bäumer, die kurz nach dem Krieg in einer kleinen Werkstatt zunächst noch Nähmaschinenfüßchen und Ölkännchen herstellte, ist heute ein weltweit agierendes Unternehmen mit 270 Mitarbeitern.

Und es hat einen extrem hohen Exportanteil: 85 Prozent des Umsatzes bringen die Verkäufe jenseits der deutschen Grenzen. Trotz dieser rasanten Entwicklung ist Bäumer ein traditionsbewusstes Familienunternehmen geblieben – und dennoch geht es moderne Wege. Dabei hilft auch die bunte Mischung in der Führungsriege.

Geschäftsführer Helmut Kritzler ist bereits seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen, seine junge Tochter Nina Patisson leitet den Service, ihr Cousin Philipp Schuster ist verantwortlich für das Geschäft in den USA. Alle drei gehören zu den Inhaberfamilien. Dazu kommt Stephan Halstrick, seit Mai letzten Jahres dabei. Er ist der erste Geschäftsführer in der Firmengeschichte, der von außen kam.

Von vielen „gesunden Diskussionen“ seither spricht Helmut Kritzler, und das begleitende leise Lächeln aller Beteiligten deutet an, dass es dabei auch schon mal hoch hergeht. Ungewöhnlich offen nehmen sich die Verantwortlichen heute der Probleme an. Viel Herrschaftsdenken, wenig Eigenverantwortung der Mitarbeiter – das habe Bäumer lange geprägt. „Und es dauert auch lange, das aus den Köpfen zu kriegen“, sagt Halstrick.

Messer arbeiten geräuschlos

Mitdenken sei jetzt erwünscht. Auch beim Nachwuchs. Der Anteil der Auszubildenden schwankt seit Jahren um die 10 Prozent.
Derweil führt Anwendungstechniker Walter Mees im „Technikum“ des Werks Besuchern Maschinen vor. Der 58-Jährige, der seit 40 Jahren bei Bäumer beschäftigt ist, drückt sanft auf ein grünes Feld an der Steuerung, und innerhalb weniger Minuten entstehen aus einem Schaumstoffblock Seitenteil und Sitzkissen eines Sessels.

Dabei entwickelt und baut sein Arbeitgeber längst nicht nur einzelne Maschinen – sondern komplette Anlagen auch für Transport und Lagerung. Die bewegen und bearbeiten bis zu 120 Meter lange Schaumstoffblöcke. Übrigens: Die Kernstücke der Maschinen – meist umlaufende Messer – werden sicherheitshalber erst nach der kompletten Montage der Anlage fertig geschliffen. Das erledigt ein eingebautes Schleifgerät.

Sind die Schneidwerkzeuge dann richtig scharf, arbeiten sie beeindruckend geräuschlos.

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