Mittelstand

Maschinen für das gewisse Etwas


Die Firma Tattoo-Tools produziert für Tätowierstudios

Clausthal-Zellerfeld. Jeder zehnte Deutsche trägt inzwischen ein Tattoo – und je jünger, desto toller. Immer mehr Menschen zeigen es auch, verstecken es nicht mehr unter der Kleidung. Tätowierungen sind Mode geworden, mitunter auch schon Kunst. Die Branche brummt.

Selbstverständlich trägt auch Florian Altenhövel aus Clausthal-Zellerfeld ein Tattoo. Er ist Gründer und Chef des Unternehmens Tattoo-Tools, des nach seinen Angaben größten Herstellers von hochwertigen Tätowiermaschinen und Maschinenteilen in Europa.

Der mutige Schritt in die Selbstständigkeit

„Tattoos gehören zu meiner Lebensphilosophie“, sagt ­Altenhövel. Schon als Jugendlicher entdeckt er als Teil der Rockabilly- und Punk-Szene seine Leidenschaft fürs Tätowieren. Dennoch studiert er in Clausthal Maschinenbau, wird Ingenieur und bekommt einen guten Job bei einem Auto-Zulieferer in der Region.

Doch dann bringt ihn ein Zufall auf alte Wege zurück: Ein Bekannter, ein Tätowierer, bittet ihn um technischen Rat und um Hilfe. Altenhövel kommt auf den Geschmack, baut erste Tätowiermaschinen und verkauft sie über Ebay.

Mit so starker Resonanz, dass Altenhövel 2004 gegen alle Ratschläge der Familie seinen sicheren Job kündigt und sich selbstständig macht: Mit 28 Jahren gründet er die eigene Firma, erkämpft sich bei der Bank einen Dispo-Kredit von 4.000 Euro und startet mit zwei kleinen Fertigungsmaschinen in seiner Wohnung in Hahnenklee (Harz).

Heute beschäftigt seine Firma, die längst im Clausthaler Gewerbegebiet sitzt, sieben Mitarbeiter. 500.000 Euro hat sie in den vergangenen Jahren in CNC-Fräs- und Drehmaschinen sowie in Spritzgussmaschinen investiert.

„Das Tattoo-Geschäft ist längst aus der Schmuddel-Ecke heraus“, sagt Altenhövel. Heute wird in Clausthal überwiegend für die fünf größten Tattoo-Händler in Deutschland produziert. Das Unternehmen verkauft aber seine Maschinen und alles um Tattoos herum – von Nadeln und Farben bis zu Reinigungsmitteln – auch über einen eigenen Online-Shop an rund 3.500 Tätowierstudios.

Gute Tattoo-Maschinen kosten mindestens 150 Euro, nach oben hin gibt es dabei keine Grenzen.

Bewusst verzichtet Altenhövel auf eine eigene Marke für seine Maschinen – und spart sich auf diese Weise auch das Marketing dafür: „Ich will mich noch stärker auf die Lohnfertigung für Händler konzentrieren und diesen Bereich auf das europäische Ausland ausdehnen.“

Manches geht nur in China

Dieses Jahr wird sein Betrieb voraussichtlich rund 6.000 Tätowierungsmaschinen herstellen. Hinzu kommt das noch wichtigere Geschäft mit den Komponenten: den Grips (Griffe) und den Tips (Führungsspitzen für die Punktiernadeln).

Der Trend bei den Tätowierstudios gehe zu preiswerten Einweg-Komponenten, berichtet Altenhövel. Nadeln stellt er aber nicht her. Die werden konkurrenzlos billig von Hand in China gefertigt.

Klaus Sievers

 

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