Lkw-Montage im Wandel

MAN Bus & Truck: Wie sich der Industriestandort von Grund auf veränderte

Salzgitter. 6 Minuten und 44 Sekunden – diese Zeitspanne bezeichnet den Takt in der Lkw-Montage von MAN Bus & Truck am Standort Salzgitter.

In dieser Zeit verrohren die Mitarbeiter den Rahmen. In der gleichen Zeit bauen sie Motor und Getriebe ein. Im gleichen Rhythmus setzen sie auch das Fahrerhaus aufs Chassis, befestigen die Achsen, montieren Tanks, Reifen und so weiter. Nach insgesamt 67 Montage-Stationen rollen die Lkws vom Band, 62 Stück pro Tag.

Nur 62. Denn ein Teil des Werks mit seinen 2.500 Mitarbeitern fährt zurzeit Kurzarbeit. Trotzdem ist dies ein Werk im Aufbruch: „In den letzten drei Jahren haben wir das Produktionssystem revitalisiert“, sagt Montage-Produktionsleiter Thorsten Campehl. Man sieht sich gut präpariert für die Zeit, wenn die Märkte wieder anziehen.

Rückblick ins Jahr 2011: Die Wirtschaftskrise und stark schwankende Märkte haben der Branche zugesetzt. „Das hatte auch Auswirkungen auf unser Produktionssystem und dessen kontinuierliche Entwicklung“, so Campehl. „Es war Zeit zum Umdenken und vor allem, neue Wege zu gehen.“

Unterstützt von Unternehmensberatern setzten Management, Arbeitnehmervertreter und Belegschaft einen Veränderungsprozess in Gang, der bis heute anhält. Unter dem Begriff des kulturellen Wandels wurde eine „Kulturlandkarte“ entworfen, die bildlich die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und vor allem auch Stärken und Schwächen des Standorts darstellt. Sie dient als Hilfe bei täglichen Gesprächen, beim strategischen Denken und bei vielen Diskussionen.

„Wir können jetzt viel konzentrierter arbeiten als früher“

In Workshops tüftelten Produktionsmitarbeiter, Führungskräfte, Planer, Logistiker und Betriebsräte gemeinsam an der Verbesserung der Arbeitsumgebung. So berichtet Boric Stojmirov aus der Schalldämpfermontage: „Wir haben unsere Arbeitsplätze so organisiert, dass kein Gedränge mehr herrscht. Wir können ruhiger und konzentrierter arbeiten als früher.“

Arbeitsplätze und Material-Bereitstellzonen wurden neu strukturiert. So wurden 40 Prozent der Flächen freigesetzt, die nun anders genutzt werden können. 95 Prozent der Staplerfahrten wurden eingespart. Alle 14 Tage erscheint eine „Band-Zeitung“, die die Mitarbeiter über neue Entwicklungen aus dem Werk informiert.

Systematisch wurden Ideen gesammelt, wie man Arbeit weniger körperlich belastend gestalten kann. So ziehen Mitarbeiter nun, ohne sich zu „verbiegen“, mit einem patentierten Kameraschrauber an schwer erreichbaren Stellen Schrauben fest.

„Die Qualität unserer Montage hat sich spürbar verbessert, Verschwendung ist weitestgehend ein Fremdwort geworden“, sagt Campehl. Es sei eben richtig gewesen, alle einzubeziehen. „Im Privatleben übernehmen unsere Mitarbeiter Verantwortung. Warum sollten sie die Fähigkeit am Werktor abgeben?“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang