Produktions-Ausbau

Magen-Medikament vom Pharmakonzern Takeda in Singen boomt


Singen. Ein Kran ragt in die Höhe, emsig liefern Lastwagen Baumaterial an. „Wir erweitern unsere Produktion“, erklärt Jürgen Mahling, Werkleiter des japanischen Pharmaherstellers Takeda in Singen. 100 zusätzliche Mitarbeiter werden hier künftig gebraucht. Der Grund: die starke Nachfrage nach einer Arznei für den Magen.

Diese reguliert mit dem Wirkstoff Pantoprazol die Produktion von Magensäure. Ein Segen für Patienten, die ein Magengeschwür haben oder die zu viel Magensäure produzieren.

Als Tablette ist die Arznei schon lange auf dem Markt, doch Takeda stellt sie auch als gefriergetrocknetes Pulver her – das Ärzte bei Bedarf auflösen und in die Blutbahn spritzen. „So wirkt sie viel schneller“, erklärt Werkleiter Mahling. Obwohl der Patentschutz für den Wirkstoff bereits seit drei Jahren abgelaufen ist, gibt es für diese Form der Arznei bisher keine Generika, also Nachahmer-Präparate.

„Das zeigt, wie schwierig es ist, das Medikament als gefriergetrocknetes Pulver für Injektionslösungen herzustellen“, sagt Mahling.

Und so funktioniert das Verfahren: Wirkstoff und Zusätze liegen nach der Herstellung zunächst in Wasser gelöst vor. Solche wässrigen Lösungen verderben schnell. Erst die Gefriertrocknung macht das Medikament zwischen 18 und 24 Monate haltbar.

30.000.000 Einzeldosen Jahresproduktion

„Für die Trocknung“, so der Werkleiter, „wird die Lösung tiefgefroren und anschließend unter Vakuum langsam wieder aufgetaut.“ So wird schonend das Wasser entzogen, übrig bleibt eine pudrige, weiße Substanz. Der Wirkstoff ist empfindlich: „Das Geheimnis ist nicht die Gefriertrocknung an sich, sondern unsere Kombination von Stoffen, die das Medikament stabil und haltbar machen.“

Und es gibt eine weitere Schwierigkeit: Viele Medikamente werden zur Sterilisation nach dem Abfüllen erhitzt. Doch dieser Wirkstoff ist nicht hitzestabil. Mahling: „Er muss deshalb von Anfang an in einer absolut keimfreien Umgebung verarbeitet werden.“

Rund 70 Millionen Einzeldosen werden im Werk Singen jährlich verpackt, davon 30 Millionen aus eigener Produktion. Künftig sollen hier rund 17 Millionen zusätzliche Dosen produziert werden.

Aktuell arbeiten 600 Beschäftigte in der Produktion, weitere 100 in der Verwaltung und der Entwicklung. Damit ist Singen der größte Takeda-Standort in Deutschland vor Oranienburg, Berlin und Konstanz.

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