Belegschaften

Männer-Domäne? Gibt's hier nicht!


Bei Queisser Pharma sind Frauen in der Mehrheit

Flensburg. Kris Jürgensen lenkt den Gabelstapler zielsicher durch die große Lagerhalle. Die 21-Jährige arbeitet in Flensburg bei Queisser Pharma als Logistik-Fachkraft. Der Beruf ist eigentlich eine Männer-Domäne. Doch bei dem Gesundheitsexperten („Doppelherz“) ist das anders.

Es geht auch ohne Quote

Männer sind hier in der Unterzahl. Um genau zu sein: 63 Prozent der 190-köpfigen Mannschaft sind weiblich. Sechs Bereiche werden von Frauen geleitet – darunter der Einkauf, die Finanzbuchhaltung und die Wissenschaft. Auch bei den Azubis überwiegt der Frauenanteil mit 13 zu 9. Selbst bei den Einstellungen waren die Männer in den letzten vier Jahren in der Minderheit. Das schleswig-holsteinische Pharma-Unternehmen wurde für seine Personalpolitik kürzlich zum zweiten Mal mit dem bundesweiten Gütesiegel „Total E-Quality“ geehrt.

Doch Geschäftsführer Gert Bendixen zeigt sich bescheiden. Dass der Frauenanteil besonders hoch liegt, sei ihm erst im Jahr 2008 bei der ersten Gütesiegel-Verleihung so recht bewusst geworden. „Wir haben weder eine Quotenregelung noch Frauen-Förderprogramme“, betont er. „Davon halte ich nichts.“

 

Chancengleichheit ist Teil der Unternehmenskultur. Sie gilt auch in puncto Gehalt: „Für einen guten Job gibt es gutes Geld – egal ob Männlein oder Weiblein“, so der Chef.

Was zählt, ist die Qualifikation. Ein Beispiel: Jedes Jahr bewerben sich auf die Lehrstellen ebenso viele Männer wie Frauen – „es fällt jedoch auf, dass die Mädchen im Schnitt reifer sind und die besseren Noten mitbringen“, berichtet Personalleiter Holger Klattenhoff.

Im August 2011 starteten vier junge Leute ihre kaufmännische Ausbildung – darunter ist nur ein einziger junger Mann. Franziska Hennig (18), Mareike Jacobsen (19) und Finja Hansen (20) nehmen Lewe Twist für ein Foto symbolisch in ihre Mitte. Wie fühlt man sich als Hahn im Korb? Der 19-Jährige lacht. „Ich finde den Mix super. Frauen sind nicht so auf Fakten fixiert und erklären vieles besser“, sagt er.

„In Ruhe übers Shoppen quatschen“

Dass Frauen für eine lockere Atmosphäre sorgen, findet Sabine Lorenzen (60). Sie hat vor wenigen Tagen die Leitung der Qualitätskontrolle an Ilona Harm (41) übergeben. Das Team: weiblich. „Gut so“, sagt Lorenzen. „Männer haben zu sehr die Karriere im Blick. Das sorgt oft für Spannungen.“

Zurück im Lager: Kris Jürgensen hat den Gabelstapler abgestellt und verpackt zusammen mit Vorarbeiterin Gitta Lawniczak (58) Displays. Sie genießt es, viele Frauen um sich zu haben.

„In meiner Berufsschulklasse war ich das einzige Mädchen“, erinnert sie sich. Lawniczak fügt augenzwinkernd hinzu: „Ist doch schön mit so wenigen Männern. Dann können wir in Ruhe über Jungs und Shoppen quatschen.“

 

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