Papierverarbeitung

Made in Germany: Warum auch bei Etiketten Präzisionsarbeit nötig ist


Ostfildern. Die 23 Mitarbeiter des kleinen Etiketten-Herstellers Labelwerk dürfen keine Fehler machen. Mit einer Ausnahme. Andrea Yigit soll Fehler machen!

Denn so testet sie, ob die Kamera korrekt funktioniert, mit der hier alle fertigen Etiketten kontrolliert werden. Und das sind immerhin 300 Millionen Stück pro Jahr.

„Bei einem Durchschnittspreis von 1 Cent pro Etikett ergibt das einen Umsatz von knapp 3 Millionen Euro“, rechnet Hans Hermann vor, Chef und Inhaber des Familienunternehmens in Ostfildern bei Stuttgart. Labelwerk hat sich auf hochwertige Etiketten für die pharmazeutische Industrie spezialisiert, Hauptkunde ist Ratiopharm.

Wie präzise produziert werden muss, schon wegen der strengen gesetzlichen Vorschriften, zeigt ein Beispiel: die Kennzeichnung von Ampullen. „Die Ampullen sehen ja alle gleich aus – ein falsches Komma auf dem Etikett kann da für den Patienten sozusagen tödlich sein“, so Hermann.

Aber nicht nur Präzision ist gefragt, sondern auch Sauberkeit. Denn die fertigen Etiketten landen in den Reinräumen der Pharma-Hersteller, wo die Medikamente automatisch maschinell abgefüllt und ausgezeichnet werden.

Kein einziges Etikett darf fehlen

Deshalb wird auch im Labelwerk streng auf Hygiene geachtet. Der Pausenraum liegt jenseits der Maschinenhalle, essen und trinken sind in der Produktion untersagt (rauchen sowieso). Es werden nur neue Paletten verwendet, damit weder Ungeziefer noch Schmutz in die Halle kommen.

Aber auch die Etikettenrollen für andere Kunden werden zu 100 Prozent kontrolliert, damit Reihenfolge und Anzahl der Aufkleber genau stimmen: „Wenn nur ein Etikett fehlt, legt das womöglich die ganze Anlage des Kunden lahm“, erklärt Hermann.

Und er zeigt an einem weiteren Beispiel, um welche Dimensionen es geht: Labelwerk liefert dem Automobilkonzern Daimler die Regalkennzeichnungen für fast alle Lager weltweit. Allein das Lager in Spanien hat 150.000 Stellplätze. Da wäre ein falsches Etikett fatal – denn in dem bewusst chaotisch befüllten Lager weiß heutzutage nur noch der Computer, was wo steht.

Bei aller Präzision zeigt sich Labelwerk auch flexibel: Wenn etwa ein Krankenhaus dringend frische Etiketten benötigt, wird schon mal ein anderer Auftrag unterbrochen.

Das Firmengebäude ist übrigens ein extra für den Betrieb errichteter Holzbau. „Der Holzboden bietet viele Vorteile“, sagt Hermann, „er spendet Feuchtigkeit und senkt den Lärmpegel.“

Mitarbeiterin Yigit hat inzwischen geprüft, dass die Kamera funktioniert. Ehe sie die Überwachungsanlage wieder in Betrieb nimmt, ersetzt sie das von ihr verschmutzte Etikett durch ein fehlerfreies: „Sonst weiß ja jeder, dass ich es war, die die Produktion beim Kunden lahmgelegt hat“, sagt sie schmunzelnd.

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