Mittelstand

„Made in Germany“ sucht neue Märkte

Wie ein typischer Exportbetrieb die Krise angeht

Titisee-Neustadt. Exportweltmeister Deutschland: Wo-hin geht die Reise? Die Ausfuhren haben zwar zuletzt trotz Krise zugelegt. Aber die Aussichten sind düster. „Für die deutsche Außenwirtschaft brechen schwierige Zeiten an“, sagt Axel Nitschke, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Jetzt müssen die Firmen schlau reagieren. Es trifft nicht nur die großen Konzerne, da­von weiß Christian Schwarz ein Lied zu singen: Er ist Vertriebsleiter der Firma Hönes aus Titisee-Neustadt im Schwarzwald, die etwas typisch Deutsches herstellt: Kuckucksuhren.

Nachfrage aus USA eingebrochen

Mit 20 festen Mitarbeitern und 30 Heimarbeitern fertigt Hönes jährlich bis zu 50000 Uhren. 90 Prozent davon gehen in die große weite Welt. Bisher waren sie vor allem in den USA gefragt, entweder als echtes Ex­portgut oder als Mitbring­sel amerikanischer Touristen. Vertriebsleiter Schwarz be­richtet: „Normalerweise landen etwa 60 Prozent der Produktion in den USA. Doch unser Absatz dorthin ist jetzt massiv eingebrochen.“

Ziel: Mehr Geschäfte mit anderen Ländern

Durch die Finanzkrise, so Schwarz, hat der Ge­samt­umsatz der Firma Hönes „im zweistelligen Prozentbereich“ nachgelassen.

Kein Wunder: Der private Konsum der US-Bürger ist im dritten Quartal massiv eingebrochen. Der Ab­satz von „langlebigen Verbrauchsgütern“ ging um mehr als 14 Prozent zurück. Die deutschen Exporte in die USA werden stagnieren, prognostiziert der DIHK. 2009 würden die USA nicht mehr unser Exportland Nummer zwei sein.

Hönes-Manager Schwarz weiß, was er zu tun hat. Er sitzt auf gepackten Koffern. „Nächste Woche geht’s nach Brasilien“, er­zählt er. „Im Januar bin ich in Atlanta, im Februar in Birmingham.“ Kuckucksuhren in Brasilien? „Da leben ja viele deutsche Einwanderer“, sagt der findige Betriebswirtschaftler Schwarz. „Die sind für Nostalgie aus der Heimat leicht zu begeistern.“

Im Krisen-Management hat die Kuckucksuhren-Fabrik Routine.  „Wir haben weltweite Krisen immer direkt gespürt, auch nach dem 11. September 2001“, so Schwarz.

Umgekehrt sorgen positive Ereignisse für Umsatzschub. Beispiel: Die Fußball-Welt­meis­terschaft. Damals ließ Ge­schäftsführer Wolfgang Trenk­le eine Uhr bauen, die eine Szene aus dem Eröffnungsspiel zeigte – Deutschland gegen Costa Rica. „Die ist sehr gut an­gekommen“, sagt der Firmenchef, der alle Modelle selbst entwirft. Auch er packt seine Koffer, fliegt mit dem Vertriebsleiter  gemeinsam  über  den  gro­ßen Teich.

Export-Prognosen für 2009 düster

Zu Hause im Betrieb ist es derzeit saisonbedingt ohnehin ziemlich ruhig.

Ruhiger wird es in vielen Export-Betrieben wohl auch im Jahr 2009 zugehen: Der Sachverständigenrat zur Be­gutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Fünf Weise“) schätzte in seinem jüngsten Gutachten, dass der Export nur um 0,4 Prozent zulegen wird. Zum Vergleich: 2006 stieg er um 12,7 Prozent, 2007 um 7,5 und 2008 um etwa 4,2 Prozent. Barbara Auer


Artikelfunktionen


'' Zum Anfang