Prüftechnik vom Bodensee gibt es überall auf der Welt, wo Elektronik gefertigt wird

Made in Germany ist ein Schlager


Konstanz. Ob Abstandshalter oder Fensterheber – ohne elektronische Ausstattung ist kein Auto mehr denkbar. Doch was den Komfort steigert, kann das Fahrzeug störanfälliger machen. Kontaktstifte von Ingun in Konstanz sollen das verhindern. Die dünnen Nadeln spielen eine wichtige Rolle im Produktionsprozess.

Wenn zum Beispiel Bosch für Daimler ein Antiblockiersystem baut, dann wird mit den Ingun-Kontaktstiften getestet, ob die Leiterplatten darin auch tatsächlich funktionieren. Kleine Nadel, große Wirkung: „Ohne uns würde in Deutschland kein Auto fahren“, sagt Geschäftsführer Armin Karl selbstbewusst.

Rund 18.000 unterschiedliche Stifte hat Ingun im Programm. Dazu kommen Prüfadapter, die Nadeln und Leiterplatten miteinander verbinden. Vom Stammsitz in
Konstanz aus, dem einzigen Produktionsstandort, beliefert das Unternehmen Kunden in fast allen Ländern der Welt.

Handarbeit ist unverzichtbar

„Überall, wo Elektronik gefertigt wird, gibt es auch unsere Produkte“, so Karl. Der junge Firmenchef hat die Leitung vor vier Jahren von seinem Vater, dem Mit-Initiator der damaligen „Ingenieur-Union“, übernommen. 1972, ein Jahr nach der Gründung, wurden von einer Handvoll Mitarbeiter die ersten gefederten Kontaktstifte gefertigt. Heute beschäftigt der Mittelständler etwa 180 Mitarbeiter und ist in seinem Segment Weltmarktführer.

Mit Erfindergeist und höchsten Ansprüchen an die Qualität hat Ingun den steilen Aufstieg geschafft. Der Firmenchef ist überzeugt von deutscher Ingenieurskunst: „Made in Germany ist immer noch ein Schlager. Wir haben tolle Produkte in Deutschland, die Kunden in der ganzen Welt haben wollen“, sagt Karl.

Das gute Image und ein dickes Auftragspolster will Karl nutzen, um den Spitzenumsatz von zuletzt 30 Millionen Euro in diesem Jahr noch einmal zu toppen – trotz hoher Produktionskosten. Denn ein Teil der Kontaktstifte wird noch immer in Handarbeit gefertigt. Mit geschickten Händen stecken Frauen dünne Federn in schmale Hülsen, die sie dann verschließen. „Das ist keine einfache Arbeit“, sagt der Firmenchef, „aber sie ist notwendig, um die hohe Qualität sicherzustellen.“ Deshalb soll die gesamte Produktion einschließlich der kniffligen Handarbeit in Konstanz bleiben.

Den Markt in Fernost erkunden

Damit will sich Ingun auch vor Nachahmern in Asien schützen, die dem Unternehmen immer wieder das Leben schwer machen – „auch wenn die in China kopierten Nadeln längst nicht unsere Qualität erreichen“, wie Karl betont. Eine wirksame Strategie dagegen sieht der Ingun-Chef in „stabilen Kundenbeziehungen“. Um diese aufzubauen, hat der Firmenchef eigens eine Chinesin eingestellt – „gegen jeden Rat“, wie Karl einräumt.

Mit der Asiatin an Bord will der junge Unternehmenslenker vom Bodensee den Markt in Fernost besser kennenlernen. Für ihn steht fest: „Nur mit neuen Ideen kommt man auch weiter.“ Das hat sich in der nun fast 41-jährigen Firmengeschichte bewährt.

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