Präzision für den Flugzeugbau

Luftfahrt: Schrauben und Bolzen vom Zulieferer Alcoa halten Rumpf und Flügel zusammen

Hildesheim. Dass so ein Airbus sicher durch die Welt fliegt – daran hat Thomas Hauser hier in der Werkhalle seinen Anteil. Mit Lupe und Messgerät prüft er aus einer Charge von 7.000 Titanschrauben eine Stichprobe von 50 Stück. „Kleinste Kratzer oder eine minimale Abweichung in der Geometrie genügen, und die gesamte Charge wird aussortiert“, erklärt der Qualitätsfachmann bei Alcoa Fastening Systems & Rings in Hildesheim.

Dann wird im Sperrlager über Konsequenzen beraten. Qualität ist oberstes Gebot, bekräftigt Geschäftsführer Jens Harde, denn für den Auftraggeber komme es auf tausendstel Millimeter an: „Unsere Mitarbeiter müssen Präzision im Händchen haben. Denn die Luftfahrt ist eine in jeder Hinsicht stark regulierte Branche.“

Die Schrauben und Bolzen des Zulieferers Alcoa werden in jedem Flugzeug millionenfach verbaut. Die Regulierung fängt schon bei den Materialien an – sie müssen speziell für die Luftfahrt zugelassen, hochbelastbar und leicht sein. Wie eben Titan: Bezogen aufs Gewicht ist es extrem fest und beständig.

Die Fertigung hochfester Verbindungselemente für die Rumpf- und Flügelendmontage von Airbus hat in Hildesheim Tradition. 1982 gründeten vier Personen die Firma Fairchild Fasteners, die seit 2002 zu Alcoa gehört. Zwei von ihnen sind heute noch im Unternehmen.

Auch ein Großteil der 200 Maschinen stammt noch aus den 80er-Jahren. Dazu muss man wissen: Wie die Materialien muss auch jeder Prozess – Umformen, Schleifen, Walzen, Messen – für die Luftfahrt und ihre hohen Sicherheitsauflagen zertifiziert sein. So etwas kann zwei Jahre dauern. Ergebnis ist ein sehr stabiler Produktionsverbund: Im Bereich der Bolzen und Schrauben gibt es nur eine Handvoll „Airbus Approved Supplier“.

Insgesamt fertigen die 350 Mitarbeiter in Hildesheim jährlich 50 Millionen Titanteile für die Luft- und Raumfahrt, zu einem geringen Teil auch für die Auto-Industrie. Sie kosten zwischen einigen Cent und mehreren Hundert Euro.

Wochentags wird in drei, samstags in zwei Schichten produziert. Auch die Airbus-Werke in China und Amerika werden durch Hildesheim beliefert. Immer wieder kommen kurzfristige Aufträge rein. Das bedeutet Mehrarbeit, die bezahlt oder ausgeglichen wird. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter in puncto Arbeitszeit flexibel sind“, weiß Harde. „Wenn das nicht gelingt, übernehmen andere das Geschäft.“ Alcoa Fastening Systems & Rings ist eine Tochter des weltweit agierenden US-Aluminiumkonzerns Alcoa mit mehr als 60.000 Mitarbeitern.


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