Technik

Lichtbänder einmal quer durch Deutschland


Philips produziert in Niedersachsen Lichtbänder und Außenleuchten

Springe. Einkaufen im Supermarkt: Die Äpfel sehen köstlich aus. Brot, Butter oder Milch sind sofort zu finden, unterhaltsame Musik rieselt aus dem Hintergrund. Kaum jemand weiß: Für die gute Stimmung beim Einkaufen sorgt vor allem das richtige Licht. Und das kommt immer öfter aus Springe.

Philips produziert in der niedersächsischen Kleinstadt vor allem sogenannte Lichtbänder. Das sind Deckenbeleuchtungen in hohen Stückzahlen, und aneinandergelegt erreichen sie eine beeindruckende Länge. „Gut und gern 600 Kilometer, einmal quer durch Deutschland“, beschreibt Werkleiter Michael Bartesch die Jahresproduktion. In Lagerhallen, Industrieräumen oder anderen Funktionsbauten sind sie im Einsatz – mehr denn je.

Die dunklen Zeiten sind vorbei

Der Philips-Standort in Springe „strahlt“ aktuell so hell wie lange nicht. Vorbei die dunklen Zeiten, von Krise derzeit keine Spur.

Andere Firmen klagen über zweistellige Umsatzeinbrüche, der Standort Springe aber trotzt der Rezession. Dabei ist es nur ein paar Jahre her, da herrschte hier gedrückte Stimmung. Der Wettbewerbsdruck war brutal.

Um langfristig eine Chance zu haben, musste die Mitarbeiterzahl immer wieder angepasst werden: Von ehemals 600 auf heute 200 Arbeitskräfte ist ihre Zahl gesunken. Heute schreibt der Standort wieder schwarze Zahlen. Fragt man Werkleiter Bartesch nach dem Erfolgsrezept, antwortet er spontan: „Wir haben ‚Lean’ eingeführt. Das heißt, wir haben ständig Kosten auf den Prüfstand gestellt und die Prozesse angepasst.“

Produktive Leuchtenfabrik

Zum Beispiel übernehmen jetzt andere Philips-Standorte Vertrieb und Teile der Verwaltung. In Springe konzentriert man sich auf das Kerngeschäft: die Produktion hochqualitativer Lichtband-Systeme und technischer Außenleuchten. So ist dort eine Leuchtenfabrik entstanden, die sich in puncto Produktivität und Qualität klar von anderen absetzt.

„Das verdanken wir den Mitarbeitern“, betont der Werkleiter. „Sie haben in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Energie gezeigt.“ Entwicklung und Produktion arbeiten deutlich vernetzter als früher. Kurze Wege sichern schnelle Kommunikation. Bartesch: „Das war für viele sehr ungewohnt und deshalb eine neue Erfahrung. Doch es hat sich gelohnt.“

Bestes Beispiel: „DayWave“ – die weltweit erste LED-Leuchte für Büros. Sie ist das Neueste, was Bürobeleuchtung zu bieten hat. Die Konzern-Zentrale in Eindhoven hat entschieden, dass der Leucht-Star in Springe produziert wird. „Damit haben wir unglaublich viel Know-how für die Zukunft dazugewonnen“, freut sich Werkleiter Bartesch.

Und am nächsten hellen Band über Deutschland kann weiter gearbeitet werden.

Werner Fricke

„Sprung ins kalte Wasser“

Wie Brigitte Möring (31) den Umbau bei Philips betreut

Sie sind empfindlich, diese LED-Teile. Elektrische Entladungen können sie schnell zerstören.

Deshalb kennt Brigitte Möring kein Pardon. Wer einen Blick in die Produktion dieser Hightech-Winzlinge werfen möchte, bekommt von der Prozess-Ingenieurin einen kleinen „Blitzableiter“ um den Schuh gebunden. Spezielle antistatische Arbeitsplätze hat Philips eingerichtet, um die kleinen Leucht- wunder zu Bürolampen zu verarbeiten.

Durchlaufzeiten verkürzt

Sie signalisieren: Es tut sich eine ganze Menge bei Philips in Springe. Möring begleitet  schon im dritten Jahr den Um­strukturierungsprozess. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Schließlich hatte ich seit der Hochschule nur zwei Jahre Berufserfahrung“, erzählt sie. „Und jetzt arbeite ich mitten in der Produktion. Aber es hat sich gelohnt.“

Die 31-Jährige hat gemeinsam mit den Teams aus verschiedenen Abteilungen nach Verbesserungen gesucht. Detailarbeit war nötig. Doch die Ergebnisse können sich sehen lassen. „Wir haben beispielsweise den Ausschuss deutlich reduzieren können und konnten auch die Durchlaufzeiten erheblich verkürzen“, berichtet sie.

Fast alles wurde auf den Prüfstand gestellt. Früher brauchte man zum Beispiel 174 unterschiedliche Schrauben-Typen. Das raubte Zeit und kostete Geld. Heute reichen nur noch 28 verschiedene Schrauben aus.

„Nicht immer haben wir solch deutliche Einsparungen erzielen können. Aber im Schnitt lag das Ergebnis bei einem Minus von 20 Prozent“, so die Ingenieurin.

Diese Erfolge blieben auch im großen Philips-Konzern nicht unbemerkt und neue Produktlinien kamen nach Springe.

An den neuen antistatischen Arbeitsplätzen wird die zukunftsweisende LED-Technik nun nicht nur in Büro-, sondern auch in Straßenleuchten und in Leuchten für die Medizintechnik eingebaut. Möring ist daher optimistisch: „Wir sind gut für die Zukunft aufgestellt.“

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