Innovationen

Leuchten und Laden


Busch & Müller hat ein Mini-E-Werk fürs Fahrrad ausgetüftelt

Meinerzhagen. Das soll eine Fahrrad-Leuchte sein? In dem langen, schwarz gestrichenen Raum wird es plötzlich ganz hell, als Guido Müller den „Big Bang“ einschaltet. Wahrlich keine Funzel: Auf zehn Meter Entfernung bringt es die Leuchte auf 140 Lux – so stark wie ein Autoscheinwerfer.

Müller ist der Junior-Chef von Busch & Müller in Meinerzhagen (Sauerland). Und der dunkle Raum ist das Licht­labor seiner Firma. Bevor ein neues Produkt auf den Markt kommt, wird es hier

aus­giebig getestet. Wie eben Big Bang.

Das ist eine  Weltneuheit.Clou: Dessen Technik ist vom Auto abgeguckt. Die Leuchte funktioniert mit Gasentladung. Und damit sie  nicht blendet, ist der Lichtkegel oben abgeschnitten.

„Wenn ich mit dem Big Bang im Dunkeln radle, denken die Autofahrer, da kommt etwas Schnelles, ein Motorrad zum Beispiel“, lächelt Guido Müller, der gern als Testfahrer einspringt. Was die Kondition nur fördert.

Mitarbeiter neu eingestellt

Jetzt hat der Hersteller von Zweirad-Zubehör (Markenname „bumm“) eine weitere Neuheit ausgetüftelt: Es ist ein Gerät, das während der Fahrt über den Naben­dynamo mit Strom versorgt wird und so Handy, Navi, Kamera oder MP3-Player auflädt. Nachdem das „E-Werk“ den Öko-Preis bei der diesjährigen Eurobike-Messe gewonnen hat, wollten ihn viele Rad-Freaks auf Anhieb haben.

Bumm-Leuchten sind technisch aufwendig – und haben ihren Preis. Deshalb werden sie meist an hochwertige Räder geschraubt – und dieser Markt boomt trotz Krise.

10 Prozent mehr Umsatz von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen die Mitglieder des Verbandes selbstver­walteter Fahrradbetriebe (VSF), der vor allem deutsche Fachhändler vertritt.

Von diesem Plus profitieren auch die Meinerzhagener. Derzeit stehen sogar wieder Überstunden an. Mehr noch, wie Junior-Chef Müller betont: „Wir haben wegen der guten Nachfrage neue Leute eingestellt.“ Das Geschäftsjahr wurde Ende Juni mit einem Plus abgeschlossen; alle Mitarbeiter bekamen eine Prämie.  

Wie zum Beispiel Julia Flaum. Sie steckt Scheinwerfer zusammen und schließt sie zur Kontrolle an eine Stromquelle an. Dann hält sie die Hand drüber: Es leuchtet. „Da oben ist ein Sensor“, erklärt die junge Frau. „Wenn es dämmert, schaltet er die Lampe automatisch ein.“ Ganz schön helle, das Ding!

Der Trick mit dem Spiegel

Vieles ist hier Handarbeit. „Da fragt man uns oft, wieso wir nicht in Billiglohnländern produzieren lassen. Doch unsere Firma wurde 1925 in Meinerzhagen gegründet, und hier wollen wir bleiben“, versichert Müller. Das funktioniere aber nur dank Vorsprung durch Technik: „Wir sind die Letzten, die in Deutschland Fahrrad-Beleuchtung im großen Stil machen.“ Fast alle Wettbewerber sitzen in Asien.

Er ist guter Dinge, dass die Ideen für neue Produkte weiter reichlich sprudeln, was die Konkurrenz auf Abstand hält.

Dafür sorgt ein weiterer  Geistesblitz des Entwicklungsteams: die Leuchtdiode einfach umdrehen! Statt nach vorne strahlt sie nach hinten in einen Spiegel. Der bündelt die Lichtstrahlen und wirft sie in einem bestimmten Winkel auf die Straße zurück. So hat man starkes Licht, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

Jetzt aber steht das neue Mini-E-Werk im Mittelpunkt, das den Nutzer unabhängig von Stromnetz und Batterien macht; die Produktion lief gerade an. Müller: „Damit hat man selbst in weiter Natur genug Saft.“

 

Info: Busch&Müller KG

Das Familienunternehmen in Meinerzhagen produziert vor allem Fahrradleuchten für Dynamo- und Batteriebetrieb. Das zweite Standbein sind Rückspiegel für Motorräder.

Etwa 60 Prozent der Produkte gehen direkt an die Hersteller, der Rest an den Fachhandel. Rund 140 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen beschäftigt.

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